Im Cyberspace ist immer Krieg. Gegnerische Blogs und virtuelle Guerilla-Kämpfer versuchen unablässig, zu infiltrieren. Internet-Recherchen führen deshalb auch Journalisten in die Irre.
Googlesuche: Für eine schnelle Geschichte auf eine schnelle Recherche in Suchmaschinen zurückzugreifen, gehört zu den neuen Sünden des Journalismus. Foto: Reuters
Auf einem Journalisten-Kongress fragte neulich eine junge Redakteurin einen älteren Kollegen ernsthaft: "Wie haben Sie eigentlich recherchiert, bevor es Google gab?" Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung spottete mal über eine Ente der freien Enzyklopädie Wikipedia. Dort konnte ein Phantast sechs Stunden die Meldung verbreiten, Susanne Fröhlich werde von Januar 2008 an die Chefredaktion von Emma übernehmen. Dann kam ein Korrektor und sperrte den Eintrag. FAS: "Das alles war binnen Minuten zu recherchieren, vulgo zu googeln."
Dass das Internet nicht gerade das Orakel von Delphi ist, haben schon viele Leser und Journalisten feststellen müssen, die sich auf das Medium als Informationsquelle verlassen haben. Weltweit wird in diesen Tagen der Fall des 19-jährigen Bilawal Bhutto Zardari diskutiert, der als Nachfolger seiner ermordeten Mutter, der ehemaligen Präsidentin Benazir Bhutto, zum Vorsitzenden der Pakistanischen Volkspartei (PPP) gewählt worden war und über den im Online-Netzwerk Facebook Lügen verbreitet wurden.
Wer ist Freund, wer ist Feind?
Vermutlich ein Witzbold, der sich das Pseudonym "Tonay" zulegte, hatte als angeblicher Bilawal Bhutto Zardari viel Unsinn erzählt. Große britische, kanadische und australische Zeitungen fielen auf die Internetschwindeleien rein und zitierten kräftig. Facebook hat mittlerweile das falsche Bhutto-Profil gesperrt, in Pakistan wird wieder einmal diskutiert, ob der Geheimdienst seine schmutzigen Hände im Spiel hatte, und Tonay freut sich in einem Internetforum wie ein zweites Rumpelstilzchen, dass es ihm gelungen ist, alle reinzulegen, und dass niemand seinen wirklichen Namen kennt.
Für eine schnelle Geschichte auf eine schnelle Recherche in Suchmaschinen zurückzugreifen, gehört zu den neuen Sünden des Journalismus. Es wird kräftig gegoogelt; bei Wikipedia oder anderen noch viel freieren Enzyklopädien wird abgeschrieben, obwohl, wie Wikipedia in einer kritischen Eigenbeschreibung betont, "Interessengruppen" versuchten, "politische, religiöse und weltanschauliche Artikelinhalte in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen". Im Cyberspace ist immer Krieg. Gegnerische Blogs, virtuelle Guerilla-Kämpfer versuchen unablässig, zu infiltrieren. Freund und Feind sind manchmal kaum zu erkennen.
Auf der nächsten Seite: Wie überall auf der Welt Wikipedia-Einträge frisiert werden.
(Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2) nächste Seite
In diesem Artikel:


