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Das Netz ist der Computer
Thin-Clients für Endkunden
21.09.2006, 09:13
Grossbild
Telefonanschluss, DSL-Modem und die Comfo-Box - mehr braucht es nicht für den Thin Client von BiTel und Siemens. Mit Peripherie wie etwa Brenner ist es allerdings Essig. (Foto: BiTel)
Im Firmenumfeld ist das Modell längst bekannt: Einzelne Nutzer haben nur noch einen Bildschirm und eine kleine Box, einen so genannten Thin-Client, die sie mit einem Großrechner verbindet. Daten lagern in einem zentralen Archiv, die Programme werden über eine leistungsfähige Netzwerkverbindung direkt vom Server gestartet.
Das Modell eignet sich für alle Anwendungen, die wenig Datendurchsatz brauchen. Damit ist die ganze Palette der üblichen Beschäftigungen vor dem Monitor abgedeckt: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail und Surfen im Internet.
Firmen lieben dieses Modell, denn Studien zeigen, dass Thin-Clients zwischen 15-30 Prozent der Verwaltungskosten einsparen, sie sind günstiger in der Anschaffung, verbrauchen weniger Strom und veralten nicht so schnell wie ein gewöhnlicher PC.
Die Marktforscher von IDC sagen voraus, dass der Markt mit den kleinen Boxen bis 2009 um 20 Prozent wachsen wird. Davon sollen auch Privatnutzer profitieren.
Eine neue Idee von Siemens Business Services (SBS) und dem TK-Anbieter BITel will den PC zu Hause durch eine Kombi aus Thin-Client und schnellem DSL-Zugang ablösen. In Bielefeld startet dafür ein bislang einmaliger Modellversuch.
Für eine monatliche Gebühr von 50 Euro bekommen Anwender einen 17 Zoll-großen Flachbildschirm, Tastatur und Maus sowie die Thin-Client Verbindungsbox von Fujitsu-Siemens.
Den Telefonanschluss verkaufen die Firmen gleich mit: Zum Paket „COMFO“ gehört ein BITel DSL-Anschluss mit Flatrate. Die Box hat USB-Schnittstellen, um CD- oder DVD-Laufwerke anzuschließen, sie akzeptiert auch USB-Sticks, Speicherkarten und die meisten Digitalkameras.
Ein Nachteil: CD und DVD-Brenner unterstützt sie nicht, wer also Musik auf CDs brennen möchte, hat Pech. Auch exotischere Schnittstellen wie Video-In oder FireWire sucht man vergebens - das Angebot richtet sich eindeutig an den Nutzer mit reinen „Grundbedürfnissen“.
COMFO richtet sich neben IT-Muffeln auch an ältere Menschen, die sich keinen eigenen Computer anschaffen möchten.
Über den Thin-Client erhält der Kunde Zugang zum Internet, kann Texte und Tabellen bearbeiten, E-Mails senden und empfangen sowie elektronische Fotoalben anlegen. Die notwendige Software läuft auf dem zetralen Server, zum Thin-Client werden nur die Bildschirminhalte übertragen.
Für die 50 Euro bekommt der Nutzer eine Plug-and-Play-Lösung nach Hause: „Einschalten und Loslegen“ heißt es bei BITel. Der TK-Anbieter gesteht dem Kunden eine kostenlose Einweisung in das Produkt zu, grundsätzlich sollte man sich aber schon mit Computern auskennen, um COMFO auch nutzen zu können.
Der Modellversuch soll klären, ob die Menschen Thin-Clients zu Hause akzeptieren. Es gilt herauszufinden, wie viel Unterstützung die Zielgruppe braucht, um mit der Technik arbeiten zu können.
Die Deutschen sind zudem als misstrauische Computernutzer bekannt und so bleibt die grundsätzliche Frage: Möchte man seine Briefe, Fotos, vielleicht sogar private Notizen oder Videos, einer Firma anvertrauen, die sie extern speichert und verwaltet?
Deutsche Firmen sind dafür bekannt, dass sie Daten ungern auslagern, jetzt muss sich zeigen, wie die Endverbraucher damit umgehen. Das Fraunhofer Institut für Umwelt, Sicherheit und Energietechnik hat selbst Thin-Clients eingeführt und warnt davor, die „psychologische Hürde“ zu unterschätzen:
Die einfachen Boxen lassen wirklich nur die rudimentären Funktionen zu und wenn das Netzwerk nicht leistungsfähig genug ist, reagiert auch die Textverarbeitung nur noch im Schneckentempo. Wird der Service allerdings gut angenommen, will Siemens das Angebot auf ganz Deutschland ausweiten.
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