Nach Rauchen und Autos sind es nun anscheinend Laserdrucker, die mit Feinstäuben die Atemluft vernebeln. Das zumindest berichtet das ZDF-TV-Magazin Frontal 21. Panikmache oder begründeter Verdacht?

Collage: sueddeutsche.de

Joachim Stelting leidet laut eigenen Angaben massiv unter Tonerstaub. Kommt er mit Toner in Kontakt, blutet ihm die Nase und er leidet unter Atemnot. Er gründete eine Interessengemeinschaft Tonergeschädigter, um gegen die Drucker- und Tonerindustrie und Behörden Druck zu machen.

Dabei erhält er teilweise Schützenhilfe aus der Wissenschaft, wie der aktuelle Frontal 21-Bericht vom 19. Dezember belegt: Hermann Kruse, Toxikologe der Universitätsklinik Kiel, gibt in der Sendung zu bedenken, dass Feinstäube tatsächlich schädlich für die Gesundheit sind.

Die Bitkom, der Bundesverband der IT-Industrie, hält dagegen, dass es keinerlei haltbare Belege dafür gibt: „Ausgewiesene Experten aus Hygiene, Arbeitsmedizin und Toxikologie bestätigen, dass eine akut toxische Wirkung bei Einatmung, Verschlucken oder bei Hautkontakt für Toner ausgeschlossen werden kann“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands.

»Das Problem ist der Beweis eines Zusammenhangs«

Richard Gminski

Keine Warnung aber auch keine Entwarnung


Tatsächlich kann weder eine akute Gefährdung ausgeschlossen noch Entwarnung gegeben werden. Oliver Jendro, Technischer Analyst der Unternehmensberatung Innoea, sagt: „Es gibt derzeit keine wissenschaftlich haltbaren Studien darüber, dass Drucker und Kopierer krank machen.“

Allerdings räumt Jendro ein, dass Feinstäube wie sie im Toner vorkommen oder Bestandteile des Toners durchaus gesundheitsschädlich sein können.

„Das Problem ist der Beweis eines Zusammenhangs zwischen Krankheits-Symptomen und Feinstäuben aus Druckern“, sagt Richard Gminski vom Institut für Innenraum- und Umwelttoxikologie an der Universität Gießen.

Er führt momentan eine Pilotstudie durch, bei der die Einflüsse von Druckern und Kopierern auf die Raumluft und die Menschen in erwa 50 Büros untersucht werden.

Problematik wie beim Elektrosmog


Mitte Januar sollen die Ergebnisse dem Umweltbundesamt vorgestellt werden. „Wie hoch eine gesundheitliche Gefährdung ist, weiß momentan niemand“, sagt Gminski. Er vergleicht die Problematik mit der Diskussion um Elektrosmog.

Zwar gäbe es Menschen, die Krankheits-Symptome zeigen, ein direkter Zusammenhang beispielsweise mit der Strahlung von Handy-Sendemasten sei aber nicht wissenschaftlich nachweisbar.

Fakt ist: Die Messmethoden sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden, und es wurde festgestellt, dass Drucker auch Ultra-Feinstäube in die Luft blasen.

Die Stäube sind so fein, dass sie leichter in den Körper eindringen und dort verbleiben. Ob diese Nanopartikel im normalen Druckbetrieb den Anwender gefährden, ist noch nicht erforscht.

Pro Jahr 150.000 Tonnen Toner


„Nach derzeitigem Wissensstand sind Service-Techniker, Mitarbeiter in Copy-Shops und Büroangestellten nicht häufiger krank oder haben andere Krankheitsbilder als Menschen ohne täglichen Umgang mit Drucker und Kopierer“, sagt Oliver Jendro von Innoea.

Pro Jahr werden weltweit über 150.000 Tonnen Toner verdruckt. Aus technischer Sicht lässt sich Feinstaub dabei nicht unterbinden. Vereinfacht gesagt basiert die beim Laserdrucken verwendete Elektrografie darauf, dass Tonerpartikel über die Luft aus der Kartusche auf die Bildtrommel und von dort auf das Papier gebracht werden. Hierbei geht immer ein kleiner Anteil an Toner daneben und landet im Druckergehäuse.

"Kein Handlungsbedarf"

Die Druckerhersteller sehen keinen Handlungsbedarf, ihre Geräte baulich zu verändern. „Wir prüfen unsere Produkte bereits in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung auf Freisetzung von Feinstäuben und anderen, schädlichen Emissionen“, heißt es beispielsweise bei Epson. „Demnach liegen uns keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken bei bestimmungsgemäßem Gebrauch vor“.

Bei Hewlett Packard und Lexmark verweist man auf die Stellungnahme der Bitkom. Besonders für Privatanwender seien aber Tintenstrahldrucker eine echte Alternative, sagt Lexmark-Sprecher Norbert Neumann. Nachrüst-Filter für Laserdrucker bietet keiner der drei großen Hersteller an.

Ein Einbau von Filtern wäre technisch problemlos möglich, scheitert aber an der Ökonomie. „Nachrüstbare Filtersysteme für Drucker kosten im Handel einen zweistelligen Euro-Betrag.

Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass Hersteller die Produktionskosten der Geräte auf einen Cent-Bruchteil optimieren“, sagt Analyst Jendro. Seiner Meinung könnte sich ein Hersteller durch den Einbau von Feinstaubfiltern aber einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

„Besonders für Behörden, die schon von Gesetzes wegen auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz achten müssen, wäre ein ‚sauberer Drucker’ ein echtes Kaufargument.“

(sueddeutsche.de)