Für ein Honorar von 500 Dollar verschickte seine Firma Millionen von unerlaubten Werbemails, er gehörte zu den zehn größten Versendern der Welt: Nun wurde der 27-jährige "Spam-König" verhaftet.

Spam Verhaftet Zombie Soloway Washington StateGrossbild

Spam-Mail: Verdächtiger soll 773.000 Dollar verdient haben. (Foto: ddp)

Robert A. aus dem US-Bundesstaat Washington warb auf seiner Seite damit, für 495 Dollar rund 20 Millionen unerlaubter Werbemails innerhalb von zwei Wochen zu versenden. Hierfür, so der Vorwurf der Behörden, habe der 27-Jährige mit Trojanern verseuchte Computer anderer Nutzer verwendet.

Die sogenannten „Zombies“ operieren ohne das Wissen ihrer Besitzer und werden oft auch für konzertierte Internet-Attacken auf Server genutzt. Der Mann wird nun wegen Betrugs, Geldwäsche und Annahme falscher Identitäten angeklagt, teilte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Washington mit. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu 65 Jahre Gefängnis. Schadensersatzforderungen könnten folgen.

Ein Anwalt von Microsoft bezeichnete Robert A. als „einen der Top 10-Spammer weltweit“. „Er ist ein großes Problem für unsere Kunden. Das ist ein guter Tag.“ Bereits im Jahr 2005 hatte der Software-Riese den als „König des Spam“ bezeichneten Mann vor einem Zivilgericht auf sieben Millionen Dollar Schadenersatz verklagt und gewonnen. Einem Internetprovider aus Oklahoma wurden zehn Millionen Dollar zugesprochen.

Die erste Anklage wegen Identitäts-Diebstahl

Dennoch führte der Verdächtige den Angaben von Ermittlern zufolge weiterhin Spamattacken aus – und kassierte dabei anscheinend nicht schlecht: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe über seine Firma mit dem Versenden unerlaubter Werbemails 773.000 Dollar verdient. Der mutmaßliche Spam-König habe beinahe wie ein Adeliger gelebt – Luxusapartment und teures Auto inklusive, so die Behörde weiter.

Dem Fall könnte Präzedenzcharakter zukommen: Es ist das erste Mal, dass US-Behörden einen Spammer wegen Identitäts-Diebstahl anklagen. Die Ermittlungen waren in Gang gekommen, nachdem Hunderte von Unternehmen und Privatpersonen Beschwerden an US-Behörden gerichtet hatten. Sie sahen ihren Ruf beschädigt, nachdem ihre E-Mailadressen von der Firma des „Spam-Königs“ für Werbemails missbraucht wurde.

Bereits im Jahr 2004 war mit Jeremy Jaynes ein Spammer zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Jaynes hatte bis zu 10 Millionen Mails täglich verschickt und damit bis zu 750.000 Dollar im Monat umgesetzt.

(AP/sueddeutsche.de)

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Digital

Leserkommentare (3)



01.06.2007 10:47:28

H0wkeye:

Ich würde es auch begrüßen, wenn nun die Auftraggeber auf Schadenersatz verklagt würden. Damit könnte sich das Thema dann recht schnell erledigt haben, weil dem potenziellen NUtzen dann end liche in reales Risiko gegenüberstehen würde.

In Spiegel Online wurde geschreiben, es könnte sein, daß das Spamaufkommen durch die Verhaftung des Mr. A nun dratisch sinken würde. Bei mir ist es von mindestens 300 bis zu 600 täglich gestern auf 40 heruntergepurzelt.


Bewerten Sie diesen Kommentar





Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


maps.sueddeutsche.de
Kaffee? Internet? Oder beides! Kostenlose Hotspots finden auf maps.sueddeutsche.de
Spiele
Es muss nicht immer die Maus sein: Mit Shortcuts geht es oft schneller. Kennen Sie die wichtigsten Tastenkombinationen für Windows?
Im Netz lauern Gefahren: Viren und Würmer bedrohen Ihren Rechner. Dagegen sollten Sie gewappnet sein. Testen Sie Ihr Sicherheits-Wissen.
Was den Deutschen die Klimakatastrophe, ist den Amerikanern "w00t". Das US-Lexikon "Merriam-Webster" hat den Cyberslang-Begriff zum Wort des Jahres gekürt. Was heißt das?
Jeden Tag stolpert der Leser über Zitate von Menschen, die sich zwar berufsbedingt mit dem Internet beschäftigen - dies aber oft mit bemerkenswerter Ahnungslosigkeit. Wir haben die besten Sprüche gesammelt und wollen nun von Ihnen wissen: Wer hat's gesagt?
Bildstrecken
Ein Klick, und die E-Mail ist verschickt. Dumm, wenn der Fehler des Chefs per CC nicht nur an die Kollegen geht. Die zehn peinlichsten Mail-Pannen.
Sie geben Rätsel auf, machen Angst oder sind einfach nur hässlich: Wir zeigen die zehn größten Design-Unfälle der Technik-Geschichte.

Das Ende des Internet steht kurz bevor: zu viel Betrieb, zu wenig Speicher, falsche Leitungen. Bis es aber tatsächlich soweit ist, erwärmen Fehlermeldungen die Herzen der Nutzer. Wir zeigen die schönsten Exemplare.
Jung, sexy und erfolgreich: Die Internetunternehmer im Web-2.0-Zeitalter sind maximal um die 30. Und sie haben schon Millionen verdient.
Zwischen "Pong" und "Doom" liegen zwanzig Jahre Computerspielentwicklung. Dazwischen gibt unzählige Klassiker, die auch heute noch Spaß machen.
Seit vielen Jahren beherrscht Microsft mit Windows den Markt für Betriebssysteme. Wir zeigen die Evolution.
Trends für den Orkus: Höchste Ansprüche und spektakuläres Scheitern liegen oft eng beieinander.
FarCry
Von Super Mario mit Dennis Hopper bis Far Cry mit Til Schweiger: Bei Games-Verfilmungen gehen krude Drehbücher und große Stars oft eine unheilvolle Allianz ein. Die schönsten Flops.
Linux taugt nichts und WLan und Handys verursachen Krebs: Zehn Sätze, mit denen Sie jeden richtigen Nerd zur Weißglut treiben.
Suche
Geben Sie hier einen Suchbegriff ein:
 

ANZEIGE

Innovate!