Von Mirjam Hauck

Wer genug hat vom "Scheiß-Fernsehen" der Privaten oder aus GEZ-Gründen seine Glotze längst verschrottet hat, kann jetzt im Internet seinen eigenen Fernsehsender starten.

Wer mit dem herkömmlichen TV-Programm nicht zufrieden ist, kann sich im Internet als Senderchef versuchen. (Foto: dpa)

Sie heißen Kyte, Mogulus oder Justin.tv. Sie sind die logische Weiterentwicklung von Blogs und Podcasts. Gab es den User Generated Content bislang vor allem dank begabter oder mitteilungswütiger Schreiberlinge, können sich visuelle Typen nun auch im Netz austoben: Indem sie eigene Shows kreieren und auf speziellen Online-TV-Plattformen live ins Netz stellen - Zuschauer inklusive.

Die notwendigen Bandbreiten sind mittlerweile vorhanden, so dass jeder vom heimischen DSL-Anschluss operieren kann, die notwendige Server-Infrastruktur stellt der Plattformbetreiber zur Verfügung. Er fungiert als Mittler zwischen Produzent und Zuschauer. Und weder Sender noch Empfänger müssen für das Flimmervergnügen einen Cent zahlen.

Der Webfernsehdienst Kyte.tv hat derzeit knapp 30.000 Channels. Die User heißen "hnic2", "nix“ oder "Mashuptowntv". Sie zeigen dort ihre Urlaubsvideos, versuchen sich als Wiedergeburt eines Max Schautzer in "Pleiten, Pech und Pannen“ oder treten mit ihrer Band im Kanal auf. Anders als bei Videoportalen wie Youtube oder Sevenload werden die Programme in Real Time, also live, gezeigt.

Ein Zuschauer pro Show

Der Channelbetreiber sieht, wie viele Zuschauer vor dem PC oder dem Handy sitzen und sich die Sendung angucken. Derzeit sind die Zahlen für eine Show meist noch recht bescheiden. Sie liegen zwischen einem und maximal 300 Nutzern. Um noch mehr Zuschauer zu erreichen, können die Programmchefs ihre Sendungen auch auf fremden Websites oder bei Social Networks wie Facebook einbinden. So bekommen auch alle Netzfreunde mit, wann es sich wieder lohnen könnte, einzuschalten.

Selbstverständlich sind die neuen Fernsehkanäle interaktiv: Der Zuschauer vor dem PC muss nicht so passiv bleiben wie vor der heimischen Glotze. Das Wort Fernbedienung kommt bei den Online-TV-Plattformen zu seiner eigentlichen Bestimmung: Während der Ausstrahlung einer Show kann der Zuschauer dem Senderchef im Live-Chat sofort schreiben, was er von dem gerade Gesehenen hält. Und gibt er hilfreiche Regieanweisungen, kann dieser, wenn nötig, gleich den kompletten Sendeverlauf umschmeißen.

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Gegründet hat Kyte.tv der Schweizer Daniel Graf, der mittlerweile im kalifornischen Silicon Valley lebt. Nicht nur er glaubt, dass Menschen gerne ihr eigener Senderchef werden. In das Start-up haben Firmen mittlerweile 15 Millionen US-Dollar Risikokapital gesteckt. Darunter unter anderem Handyhersteller, Netzbetreiber und Medienkonzerne wie Telefonica, Nokia, Swisscom und Holtzbrinck. Refinanzieren soll sich das ganze einmal über Werbeeinnahmen. Bislang werden die eigenproduzierten Sendungen der User aber noch von keiner einzigen Sequenz nützlicher Verbraucherinformationen unterbrochen.

(sueddeutsche.de/bön)

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