sueddeutsche.de: Spätestens im zweiten Quartal kommt die weltweit größte Social Community Facebook nach Deutschland.

Riecke: Wir haben acht Millionen Mitglieder, jeden Tag werden es mehr und wir belegen mit großem Abstand Platz 1 und mit SchülerVZ Platz 2 in der IVW-Rangliste der größten deutschen Websites. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht: Wer sich einmal für uns entschieden hat, bleibt uns in der Regel treu. Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir sehen dem mit einer gewissen Gelassenheit entgegen.

sueddeutsche.de: Facebook kann StudiVZ nicht gefährlich werden?

Riecke: Wir haben einen großen Vorteil: Die User sind schon bei uns. Unsere Netzwerke sind extrem lebendig. Auch das Argument, dass Facebook StudiVZ technisch überlegen wäre und StudiVZ langweilig sei, zweifeln wir an. StudiVZ ist gerade deshalb so erfolgreich, weil es wie der Ipod einfach und intuitiv zu bedienen ist - und nicht, weil es mit einer Vielzahl von Applikationen überfrachtet ist.

Zudem ist Datenschutz in Amerika kein so großes Thema wie in Deutschland. Facebook hat beispielsweise angekündigt, dass sie hier die Plattform mit dem Programm Beacon launchen wollen. Damit sollen Freunde über den Kauf von Konzertkarten, Büchern und Geschenken informiert werden. Hier stellt sich die Frage: Kann man sich sicher sein, dass die dazu notwendigen und gerühmten Applikationen nicht doch Nutzerdaten ziehen?


sueddeutsche.de: StudiVZ ist gut und Facebook ist böse?

Riecke: Das ist sicher nicht die Frage. Ich bin mir sicher, dass wir alle das Bestmögliche für die User wollen, den größtmöglichen Mehrwert. Aber wir müssen uns mit Wettbewerbern auseinandersetzen, die aus Ländern kommen, wo der Datenschutz nicht so hoch gehängt wird wie in Deutschland - beispielsweise in Nordamerika.

sueddeutsche.de: Dafür, dass der Markt der Social Communities in Bewegung bleibt, sorgen Sie jetzt selbst, indem Sie noch in diesem Quartal eine dritte VZ-Seite starten. Wer hat darauf gewartet?

Riecke: Wir bedienen mit StudiVZ jetzt schon zweieinhalb Millionen Kunden, die keine Studenten mehr sind. Ihre Profile können nicht ganz wahrheitsgetreu sein, weil man bei StudiVZ immer eine Uni angeben muss. Zudem kann man keinen Arbeitgeber angeben. Für diese Zielgruppe ist die neue Plattform: für die nicht-mehr-studentischen Freunde der StudiVZler. Wir sehen oberhalb von StudiVZ, also bei Berufstätigen mit privaten Kommunikationsbedarf, ein riesiges Wachstumspotenziel. 50 Prozent der Zielgruppe oberhalb von StudiVZ gehören keinem sozialen Netzwerk an – und das ist auch der Grund, warum Facebook in Deutschland launcht.

sueddeutsche.de: Wie heißt die neue Seite, FreundeVZ?

Riecke: Den Namen verraten wir jetzt noch nicht, ihn geben wir erst zum Launch bekannt.

sueddeutsche.de: Wie wollen Sie die zweieinhalb Millionen Nichtstudenten zum Umziehen in ein neues Netzwerk bewegen?

Riecke: Der Nutzer kann, wenn er von StudiVZ auf die neue Plattform wechseln möchte, mit wenigen Klicks umziehen, bleibt aber weiterhin mit seinen studentischen Freunden in StudiVZ vernetzt. Und sie oder er bekommt eine Plattform, die genau auf ihn zugeschnitten ist.

sueddeutsche.de: StudiVZ zu erweitern war keine Option?

Riecke: Nein, denn dann hätten wir die Plattform umbenennen müssen. Das war definitiv keine Alternative.

sueddeutsche.de: Stört die nicht-studentischen Nutzer der Name StudiVZ?

Riecke: Nein, eigentlich stört es keinen. Aber wie der Name schon sagt: StudiVZ richtet sich an Studenten.

sueddeutsche.de: Kann man durch die Vernetzung mit StudiVZ dann auch sehen, was die Bewerber in ihrer Freizeit tun?

Riecke: Das kann jeder Nutzer durch Einstellungsmöglichkeiten in der Rubrik Privatsphäre selber bestimmen.


sueddeutsche.de: Wie viele Mitglieder soll denn die neue Seite am Ende des Jahres haben?

Riecke: SchülerVZ und StudiVZ haben derzeit zusammen acht Millionen Nutzer. Ende 2008, zusammen mit der neuen Site, sollen es etwa 14 Millionen User werden.

sueddeutsche.de: Woher sollen die Millionen neuen Nutzer kommen?

Riecke: Wir haben die großen Reichweiten, weil Kommunikation ein elementares menschliches Bedürfnis ist - wie Selbstdarstellung, gruscheln, Freundschaften schließen. Virtuelle Networks sind ein Abbild echter menschlicher Netzwerke. Leute, die sich sowieso kennen, nutzen sie für ihre private Kommunikation. Sie wollen sich vernetzen. Es ist einfacher, die Daten von Freunden bei StudiVZ zu verwalten, als in seinem Handy. Soziale Netzwerke sind eine Mischung aus Rolodecks, SMS und E-Mail schreiben.

sueddeutsche.de: Selbstdarstellung geht bei manchem Nutzer sehr weit: Bis zur Selbstentblößung - wenn er viel von sich preis gibt und beispielsweise private Party-Fotos von Saufgelagen von sich ausstellt.

Riecke: Die Frage ist doch, wie weit der Nutzer partizipieren will und was er alles von sich preisgeben möchte. Wenn er sich gänzlich und mit sämtlichen Fotos vernetzen will, birgt das gegebenenfalls Risiken. Schränkt er dagegen sein Profil ein, wird er auch nicht so leicht gefunden. Das muss jeder User selbst entscheiden.


sueddeutsche.de: Der User muss also nicht vor den Gefahren geschützt werden?

Riecke: Doch. Er muss aufgeklärt werden und ihm müssen Möglichkeiten gegeben werden, das Netz beziehungsweise eine Plattform sicher zu nutzen. Dieser Verantwortung sind wir uns sehr bewusst und genau das tun wir auch. Nichtsdestotrotz ist Eigenverantwortlichkeit - wie überall im Leben - elementar.

(sueddeutsche.de/bön/jja)

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