Wissenschaftskommunikation US-Forscher sind den deutschen Kollegen deutlich voraus

Amerikaner oder Briten pflegen da einen unverkrampfteren Ansatz, die können ihre Forschungsarbeit meist verständlich darstellen, oft sogar humorvoll. Sprechen wir von einem deutschen Phänomen?

An großen US-Unis wie dem Institut für Technologie in Massachusetts ist Wissenschaftskommunikation im Studium verankert. In Deutschland gibt es das einfach nicht - von vereinzelten Vorreitern abgesehen. Das ist ein großes Manko. Außerdem ist es in den USA schon lange üblich, dass Forschung auch über Drittmittel finanziert ist. Wenn ich Drittmittel einwerben will, muss ich meine Themen verständlich rüberbringen können.

Ist das auch eine Altersfrage? Je länger in der Forschung, desto stärker in der Fachsprache verhaftet?

Eher im Gegenteil. Gerade junge Akademiker befürchten oft, sich nicht wissenschaftlich genug auszudrücken, und klammern sich an ihre Fachsprache. Je fortgeschrittener jemand in der Wissenschaftskarriere ist, desto größer ist die Bereitschaft, sich locker und verständlich auszudrücken. Das gelingt aber eher den Naturtalenten, das Gros bleibt in der Fachsprache verhaftet. Aber unabhängig vom Alter gibt es diese Angst, nicht mehr als Experte anerkannt zu werden, wenn Inhalte laienverständlich formuliert sind - und das ist wirklich ein deutsches Phänomen. Sobald man sich zu stark in den Medien exponiert, und "zu stark" kann schon ein Twitter-Account sein, heißt es mitunter: Der hat ja Zeit, sich in allen möglichen Kanälen zu äußern, der forscht wohl gar nicht mehr.

Ist das Nawik nicht eine Folge des Internets, der sozialen Medien? Allein auf Youtube boomen Erklärvideos, vom Krawattenbinden bis zur Quantenphysik.

Es ist Folge der vielen neuen Kommunikationswege. Dazu zählen neben den sozialen Medien auch Tage des offenen Labors oder die Kinder-Uni. Deshalb wurde das Nawik gegründet. Weil es eine Chance ist, wenn Wissenschaftler Informationen aus erster Hand geben. In Zeiten, in denen über soziale Medien viel mehr öffentlich diskutiert wird, zum Beispiel über Impfungen, sollten Wissenschaftler in diesen Medien mit ihrer Expertise aufklären. Das gelingt nur mit guter, verständlicher Kommunikation.

Was fehlt vor allem in Deutschland, damit Wissenschaft verständlicher wird?

Traumziel wäre, wenn Wissenschaftskommunikation in Deutschland ein selbstverständlicher Bestandteil des Studiums ist. Und nicht erst, wenn Forscher Jahre später etwas veröffentlicht haben, und auf einmal kommt die Pressemeute, und sie wissen nicht, wie sie es erklären sollen.

Uni-Städte in Deutschland