Wissenschaftskommunikation Kampf dem Fachchinesisch

Worum es da wohl geht? Physik-Professor Ferenc Krausz im Labor für extreme Photonenforschung in München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zwischen Wissenschaftlern und Laien herrscht oft Sprachverwirrung. Ein Institut will das ändern.

Interview von Viola Schenz

Die beste Forschung bringt nichts, wenn sich die Ergebnisse nicht vermitteln lassen. Deutsche Wissenschaftler tun sich oft schwer damit, Laien ihre Arbeit zu erklären. Seit vier Jahren gibt es das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation (Nawik) in Karlsruhe. Die bundesweit einzigartige Einrichtung versucht, Wissenschaftlern und Studenten beizubringen, ein überzeugendes Interview zu geben, einen begeisternden Vortrag zu halten oder verständlich zu schreiben, etwa für einen eigenen Blog. Ein Gespräch über Fremdwörter und falsches Expertentum.

SZ: Frau Lugger, in Deutschland spricht man eigentlich eine einheitliche Sprache. Wozu braucht es Wissenschaftsübersetzer wie Sie?

Beatrice Lugger: Damit Wissenschaft wieder stärker verankert ist in unserer Gesellschaft. In den vergangenen Jahrhunderten war die Wissenschaft mehr und mehr in die Labore gewandert, die Öffentlichkeit hatte keinen Zutritt. Den Zugang zu Prozessen und Fortschritten vermittelten nur Journalisten, die darüber berichteten. Heute haben Wissenschaftler selbst zahlreiche neue Möglichkeiten, mit der Öffentlichkeit zu interagieren. Allerdings sind sie es vor allem gewohnt, über ihre Forschung in der jeweiligen Fachsprache zu sprechen. Das kann man ihnen nicht vorwerfen, das müssen sie ja, um erfolgreich zu sein. Aber viele verlernen dabei, sich in normalem Deutsch auszudrücken.

Funktionierte das denn früher besser?

Nein, das kann man so nicht sagen. Wir leben ja nicht mehr im 18. Jahrhundert, als Experimente noch öffentlich stattfanden oder Alchemie betrieben wurde. Die Wissenschaften haben sich eben deutlich professionalisiert, haben sich in Sparten und Untersparten aufgegliedert, und damit haben sich auch die Fachsprachen gebildet.

Uni to go

Wer sich an der Minerva-Universität einschreibt, sieht keinen Hörsaal von innen. Studierende ziehen alle vier Monate in eine andere Stadt. Bildungsnomaden wie sie sollen die Zukunft sein. Von Anne Kratzer mehr ...

Welche Disziplinen tun sich besonders schwer, ihre Inhalte allgemein verständlich rüberzubringen?

Es ist egal, ob es Naturwissenschaftler sind oder Soziologen oder Politologen, selbst Literaturwissenschaftler haben Probleme. Oft bedeutet ein Wort in der Fachgemeinde etwas anderes als in der Öffentlichkeit. Die meisten bedenken nicht: Wer ist meine Zielgruppe? In welcher Sprache kann ich sie erreichen und abholen? Welche Inhalte interessieren sie?

Was sind die häufigsten Fehler?

Die Klassiker: Fachbegriffe, Fremdwörter, Anglizismen, dazu Schachtelsätze und zu viele Passivkonstruktionen. Alles nicht neu, aber umso wichtiger, sich dessen immer wieder bewusst zu sein.

Viele Wissenschaften sind per se komplex und kompliziert, und zur Forschung gehört eben der Austausch mit Kollegen. Ohne Fachsprache kann es da zu Missverständnissen kommen.

Genau. Wir wollen auch keineswegs erreichen, dass Wissenschaftler untereinander ihre Fachsprachen nicht mehr verwenden. Es ist elementar, dass man dort für bestimmte Sachverhalte bestimmte Begriffe verwendet. Aber schon interdisziplinär tauchen Probleme auf, wenn etwa ein Biologe eine Physikerin nicht mehr versteht. Dann ist es ratsam, sich zielgruppenorientiert der Sprache anzupassen.