Wirtschaft über Bologna-Reform "Bachelor sind willkommen"

Während von allen Seiten Kritik laut wird, steht die Wirtschaft weiterhin zur Studienreform. Allerdings haben zahlreiche Firmen die Vergütung an den neuen Abschluss "angepasst".

Von Johann Osel

Es scheint die große Zeit des Hinterfragens angebrochen zu sein, zehn Jahre nach der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung. Es gebe zwar kein Zurück mehr zum alten System, die Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master sei alternativlos, betonen Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), und Bundesbildungsministerin Annette Schavan unisono.

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Viele Studenten sind unglücklich mit der Umstellung auf Bachelor und Master. Aber die Zufriedenheit steige, behauptet nun eine neue Studie.

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Doch die Rede ist nun auch ständig von "Fehlern in der Umsetzung" und von notwendigen Korrekturen. Und was sagt die deutsche Wirtschaft dazu, die unter dem Slogan "Bachelor welcome!" die Bologna-Reformen stets gefordert und gefördert hat?

"Wir stehen zu Bologna, bei großen Unternehmen treffen Bachelor-Absolventen kaum auf Vorbehalte, nur im Mittelstand sind die Abschlüsse noch nicht richtig angekommen", behauptet Thomas Sattelberger, Personalchef der Telekom und Vorsitzender eines Arbeitskreises von HRK, Industrie- und Arbeitgeberverbänden.

Die Zufriedenheit der Bachelor-Studenten steige, ebenso die der Arbeitgeber. Sattelberger beruft sich auf eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Demnach beurteilen die Personalchefs der DGFP-Mitgliedsunternehmen die Kompetenzen der Bachelor-Absolventen fast ausnahmslos positiv.

Allerdings: Viele Firmen, die auf die Umstellung der Studiengänge bereits reagiert haben, haben auch ihre Vergütung "angepasst": Bei 52 Prozent der Firmen verdienen Berufseinsteiger mit einem Bachelor weniger als ihre Kollegen mit dem alten Diplom - teils bis zu einem Fünftel des Gehalts. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft plant für das kommende Jahr eine systematische Analyse, ob und wie Bachelor-Absolventen in deutschen Unternehmen beschäftigt sind. Breit angelegte Studien dazu gibt es bisher nicht.

"Ungeheurer Schub"

Der Bachelor hat laut Telekom-Personalchef Sattelberger einen "ungeheuren Schub" für ein duales, mit Praxisphasen verbundenes Studium gebracht. In seinem Unternehmen zumindest habe es nie das Problem gegeben, dass Bachelor-Absolventen aus solchen dualen Studiengängen nicht qualifiziert genug gewesen wären. Die Studienreform bedeutet für Sattelberger: "Humboldt entmystifizieren und in die Moderne transferieren."

Verbesserungen bei der Umsetzung der Bologna-Reform verlangen aber auch die Unternehmen, denkbar sei etwa ein flexiblerer Umgang mit der Studiendauer, so dass für den Bachelor auch sieben oder acht statt nur sechs Semester vorgesehen sein könnten. Handeln müssten nun die Hochschulen, an denen oft "eine Liebe für den Master und gewisse Herzlosigkeit für den Bachelor" vorherrsche. Ein weiterführender Abschluss sei "nur ein möglicher Weg".

Dennoch gaben in der DGFP-Befragung 53 Prozent der Firmen an, Mitarbeiter mit Bachelor beim Masterstudium finanziell zu unterstützen, weitere 16 Prozent bieten eine Rückkehroption an.