Vorurteile gegen Lehrer:Faule Säcke im Schlabberpulli

Sie leiden an Burn-out, werden nicht anerkannt und ruhen sich auf ihrem sicheren Job aus. Die zehn größten Vorurteile gegen Lehrer

Tanjev Schultz

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Lehrer sind "faule Säcke" Als Ex-Kanzler Gerhard Schröder die Lehrer "faule Säcke" nannte, sprach er allen aus der Seele, die Lehrer um die vielen Ferien beneiden. Doch der Spruch war daneben. Studien zeigen, dass Lehrer im Schnitt mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiten und nicht die gesamte Ferienzeit faulenzen. Allerdings gibt es, wie in anderen Berufen, eine große Spannweite: Die einen ackern wie blöde, andere arbeiten eher so nebenbei.

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Lehrer haben keine Ahnung Wahrscheinlich kennt jeder einen Lehrer, über dessen fachliche Eignung sich streiten ließe. Was und wie viel Pädagogen wissen und können, darüber gibt es aber kaum systematische Erkenntnisse. Vor kurzem erschien eine internationale Studie über Mathe-Lehrer. Deutsche Gymnasiallehrer schnitten sehr gut ab. Bei Grundschullehrern hing es davon ab, ob sie Mathematik im Studium zum Schwerpunkt hatten.

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Lehrer sind viel zu alt Ausnahmsweise kein Irrtum. Die Lehrerschaft in Deutschland ist überaltert, etwa 60 Prozent der Pädagogen an weiterführenden Schulen sind älter als 50 Jahre. Das ist auch im internationalen Vergleich ganz schön opahaft - und omahaft. Das pädagogische Personal besteht zu zwei Dritteln aus Frauen. In Ostdeutschland sind es fast 80 Prozent. Allerdings arbeiten viele Lehrerinnen nur in Teilzeit oder stundenweise.

Vorurteile gegen Lehrer

Papierstapel zwischen Kaffeetassen und Ladekabeln oder doch gähnende Leere auf der blanken Schreibti

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Lehrer sind alle Beamte Bundesweit sind etwa 200.000 Lehrer keineswegs Beamte, sondern Angestellte. Sie verdienen oft mehrere hundert Euro netto weniger als ihre verbeamteten Kollegen. In Berlin werden neu eingestellte Lehrer generell nicht mehr verbeamtet. Auch in anderen Bundesländern und an Privatschulen arbeiten viele Angestellte in den Klassenzimmern. Die Gewerkschaften sprechen von "Beschäftigten zweiter Klasse".

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Lehrer tragen Schlabberpullis Verglichen mit fast nackten Schülern sind die meisten Lehrer ganz gut angezogen. Dass Anzugträger rar sind und noch immer verbeulte Cordhosen und abgewetzte Ledertaschen am Pult auftauchen, muss für das Schulklima auch nicht von Schaden sein. Die stilbewusste Neue Zürcher Zeitung hat unlängst aber den "Schlabberlook" beklagt und Didaktiker zitiert, die einen Dresscode für Schulen fordern. Ob der die Schulen besser macht?

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Lehrer ist ein sicherer Job Lehrer haben krisenfeste Arbeitsplätze. Unsicher ist allerdings der Einstieg. Viele Referendare werden nicht übernommen, zum Beispiel, weil ihre Note um 0,1 unter dem jährlich wechselnden Einstellungswert liegt. Und ist der Job wirklich sicher? Nach einer Studie der Uni Freiburg sind innerhalb eines Jahres 40 Prozent der Lehrer Pöbeleien ausgesetzt, vier Prozent werden bedroht, 1,4 Prozent körperlich attackiert.

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Lehrer waren miese Schüler Gymnasiallehrer hatten früher im Abi im Schnitt genauso gute Noten wie andere Akademiker. Die Schulleistungen angehender Lehrer für die Grundschule und die Sekundarstufe I sind allerdings um etwa eine halbe Note schlechter. In Englisch und Mathe schneiden sie in Tests etwas schlechter ab als die Gymnasialkollegen. Mittlerweile gibt es an vielen Hochschulen einen recht hohen Numerus clausus für das Lehramts-Studium.

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Lehrer leiden unter Burn-out Studien zeigen, dass bei etwa jedem dritten Lehrer Burn-out-Gefahr besteht. Die anderen sind stabil und halten durch. Der Wissenschaftler Udo Rauin sagt: "Wer sich ausgebrannt fühlt, hat häufig bereits während seiner Ausbildung nicht für den Beruf gebrannt." Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sieht indes keinen Beleg dafür,dass der Lehrerberuf ausgerechnet psychisch labile Menschen besonders anlockt.

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Lehrer sind im Bundestag Ein Witzbold dichtete: "Der Bundestag ist mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer." Und ja, in den Parlamenten trifft man sie oft. Im Bundestag sitzen derzeit 35 Lehrer - gar nicht mal so viele, wenn man bedenkt, dass es 622 Abgeordnete und bundesweit mehr als 700.000 Lehrer gibt. In der Legislaturperiode davor waren etwa 60 Lehrer im Bundestag. Weit mehr als 100 Abgeordnete stellt stets eine andere Gruppe: die Juristen.

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Lehrer werden nicht anerkannt Oft beklagen Pädagogen, ihr Beruf habe an Ansehen verloren. Umfragen des Allensbach-Instituts zeigen, dass die Bürger vor Ärzten am meisten Achtung haben. Aber auch Grundschullehrer schneiden ziemlich gut ab, und in den vergangenen Jahren haben sie sogar noch an Ansehen gewonnen. Sie liegen nun klar vor Anwälten, Ingenieuren und Apothekern. Studienräte am Gymnasium dagegen stehen nicht viel besser da als Journalisten.

© SZ vom 31.7.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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