Von Wohnheim bis WG Wie finde ich die richtige Wohnung im Studium?

Klappbetten für Erstsemester, Notlager in Turnhallen: In vielen Unistädten herrscht besonders zu Semesterbeginn Wohnungsnot. Wie Studenten trotzdem die richtige Wohnung für sich finden und was sie dabei beachten müssen.

Von Sabrina Ebitsch

Jahrelange Wartezeiten in Studentenwohnheimen, ein vor Wohnungsgesuchen überquellendes schwarzes Brett und zu Semesterbeginn Notlager in Turnhallen - in vielen Studentenstädten hat eine angespannte Wohnungssituation fast schon Tradition. Seit Jahren klagen Studenten und Studentenvertreter über die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. Gerade am Semesteranfang und besonders für Erstsemester wird es oft schwierig. Und die doppelten Abiturjahrgänge, die derzeit an die Hochschulen drängen, haben die Lage noch verschärft.

Leicht ist es für Studienanfänger auf dem Wohnungsmarkt nicht, aber noch lange kein Grund zur Panik. Denn zum einen wird in Studentenstädten mit Sondermaßnahmen zu Semesterbeginn dafür gesorgt, dass niemand auf der Straße stehen muss.

Zum anderen stammen die Horrormeldungen von Studenten, die nur noch ein Klappbett in einer provisorischen Unterkunft gefunden haben, meist aus besonders beliebten Hochschulorten wie Heidelberg, Tübingen oder Ballungsräumen wie München oder Hamburg. Jenseits dieser Städte ist die Lage meist nicht so dramatisch und in nicht wenigen Regionen wie beispielsweise den größeren Städten Ostdeutschlands ist der Wohnungsmarkt alles andere als angespannt.

Eng wird es vor allem kurz vor Semesterbeginn, wenn die Studienanfänger oder Rückkehrer aus anderen Städten kommen. Oft lässt einem das Bewerbungsverfahren an den Hochschulen zwar keine andere Möglichkeit, als sich erst kurzfristig eine Wohnung zu suchen.

Aber wer schon vorher weiß, wo er studieren wird, sollte sich bereits im Sommer darum kümmern. Gerade zum Semesterende im Juli, wenn viele Absolventen ihre Wohnungen aufgeben, ist Bewegung auf dem Wohnungsmarkt. Auch in Studentenwohnheimen können sich Studienanfänger oft anmelden oder vormerken, ohne die Immatrikulationsbescheinigung gleich vorlegen zu müssen.

Wo will ich wohnen?

[] Eigene Wohnung: Auf dem freien Wohnungsmarkt kann es leichter sein, alleine oder mit dem Partner eine Wohnung zu finden als mit einer WG, gegenüber der Vermieter eher Vorbehalte haben. Gerade wenn die Wohnungslage angespannt ist, brauchen Studenten eine Bürgschaft ihrer Eltern, um gegen die Konkurrenz mit geregeltem Einkommen Chancen zu haben. Auch eine Schufa-Auskunft und das Ausfüllen von Fragebögen werden teils verlangt.

Neben dem Studium der Inserate von Tageszeitungen und Wochenblättern kann sich auch das Schalten einer eigenen Anzeige lohnen, weil Vermieter mitunter keine Lust auf dauerndes Telefonklingeln haben und lieber selbst suchen. Auch ein Aushang am Schwarzen Brett der Uni kann helfen. Neben der Recherche auf Seiten wie www.wg-gesucht.de oder www.studentenwg.de, in denen auch Wohnungen und nicht nur WG-Zimmer inseriert werden, gibt es außerdem Suchmöglichkeiten auf Facebook wie zum Beispiel hier.

In einigen Städten haben sich mittlerweile auch private Wohnungs-Rundmails etabliert, wo innerhalb des Verteilers Wohnungsangebote und -gesuche herumgemailt werden. Wer sich bei Freunden und Bekannten umhört, wird schnell herausfinden, an wen er sich wenden kann.

[] WG: Die meisten deutschen Studenten - der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zufolge etwas mehr als ein Viertel - wohnen in einer WG. Sie teilen sich Kosten und Gemeinschaftsräume und haben im besten Fall auch noch jemanden zum gemeinsamen Kochen am Abend.

Gerade in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt kann es teils schwierig sein, Vermieter von der Neugründung einer WG zu überzeugen, wenn die Konkurrenz aus gutverdienenden Paaren oder Singles übermächtig ist. Auch hier hilft es, eine Bürgschaft der Eltern bereitzuhalten und außerdem einen der künftigen Mitbewohner als Ansprechpartner und Hauptmieter zu benennen.

Leichter findet sich da ein Zimmer in einer WG - entweder über Freunde und Bekannte, das Schwarze Brett und Zeitungen oder über Portale wie www.wg-gesucht.de oder www.studentenwg.de. Auch Facebook und private Mailverteiler können für WG-Suchende interessant sein.

[] Studentenwohnheim: In vielen Studentenstädten gibt es in Wohnheimen eine Wartezeit von einigen Semestern; bei Wohnheimen privater Träger können sich Bewerber die unter Umständen sparen, weil dort bestimmte Kriterien wie das Geschlecht oder das Studienfach die Konkurrenz verkleinern oder sie sich bei Castings persönlich vorstellen müssen. Um Studienanfängern eine Chance zu geben, werden manchmal auch Plätze unabhängig von der Wartezeit verlost.

Wohnheime sind beliebt, weil die Bewohner leicht neue Leute kennenlernen und die Mieten sehr günstig sind. Dafür teilen sie sich Küche und teils auch Bad mit den Mitbewohnern und haben meist nur ein kleines Zimmer für sich. Eine Übersicht über die Wohnheime der jeweiligen Stadt findet sich beim örtlichen Studentenwerk.

[] Untermiete: Nur wenige Prozent der Studenten in Deutschland wohnen zur Untermiete. Gerade in Städten, wo der Wohnraum knapp ist, können aber Privatzimmer oder Modelle wie Wohnen gegen Hilfe eine Chance sein. Neben Wohnheimplätzen bieten die Studentenwerke der Unistädte meist auch Privatzimmervermittlungen an, an die sich sowohl Vermieter wie auch Studenten wenden können. Teils lassen sich die Zimmer, die einzeln in größeren Wohnungen oder Einfamilienhäusern vermietet werden, auch in Online-Datenbanken wie zum Beispiel hier recherchieren.

Eine Sonderform der Untermiete ist "Wohnen gegen Hilfe", wo ältere Menschen gegen Unterstützung im Haushalt Studenten ein kostenloses oder zumindest sehr günstiges Zimmer zur Verfügung stellen. Als Faustregel gilt: ein Quadratmeter Wohnfläche gegen eine Stunde Hilfe beim Einkaufen, Putzen oder bei Behördengängen pro Monat. Entsprechende Angebote gibt es mittlerweile in vielen Studentenstädten. Weiterhelfen können hier das Studentenwerk, die Stadtverwaltungen oder Sozialverbände.