Universitäten Hohe Schule des Sparens

Glücklich kann sich schätzen, wer einen Sitzplatz erwischt: Studenten im Hörsaal der Ruhr-Universität in Bochum (Archivbild).

(Foto: dpa)

In diesen Tagen beginnen eine halbe Million Erstsemester mit dem Studium. Doch die Bedingungen in den Hörsälen sind schlecht: Die Länder sparen an den Unis.

Von Roland Preuß

Nun beginnt sie wieder, die Zeit des Drängelns: rein in den Hörsaal, vorbei an den vollen Reihen, um wenigstens einen guten Platz auf den Treppenstufen zu erstreiten. Danach schiebt man sich im Kollektiv zur Mensa, ehe das Spiel von neuem beginnt: Wer bekommt einen Platz im Seminar, im Labor oder eines der raren Lehrbücher aus der Bibliothek? Etwa eine halbe Million Erstsemester beginnen in diesen Tagen ein Studium, das ist Rekord. Die meisten sind um die Bedingungen nicht zu beneiden. Den Hochschulen fehlt das Geld, um den Ansturm zu bewältigen. Die Studierenden spüren das schon seit Jahren, Bund und Länder haben mit Milliardenprogrammen reagiert. Eine Studie für die Konrad-Adenauer-Stiftung, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wird, hat ermittelt, was der staatliche Einsatz gebracht hat: viel zu wenig.

Die meisten Bundesländer geben heute weniger Geld je Studierendem aus als noch im Jahr 2000. Sachsen-Anhalt etwa sparte 2013 im Vergleich zu 2000 circa 1800 Euro pro Kopf, Baden-Württemberg gab 2500 Euro weniger aus, und das notorisch klamme Berlin knapste seinen Hochschülern 1700 Euro ab. Gerade in der Hauptstadt, die das Traumziel vieler Studenten ist, verschlechtern sich damit die Verhältnisse für Nachwuchsakademiker. Für die Studie hatten Wissenschaftler des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) offizielle Statistiken und Haushaltszahlen von Bund und Ländern ausgewertet.

Die Zahl der Studenten ist steil angestiegen

Gut kommen dabei nur wenige Länder weg: Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Dort wird für den durchschnittlichen Studenten mehr Geld investiert als im Jahr 2000. Leicht war das nicht, denn bundesweit ist die Zahl der Studierenden seither steil angestiegen, von 1,8 auf heute 2,6 Millionen.

Eigentlich sind die Länder für die Hochschulen verantwortlich. Um den Andrang zu bewältigen, ja zu fördern, haben sie allerdings mit dem Bund gemeinsame Programme wie den Hochschulpakt vereinbart, jeder sollte dazu seinen Anteil leisten, der Bund steht also auch in der Pflicht. Doch ihm ist kein Vorwurf zu machen: Er hat seinen Einsatz für die Hochschulen zwischen 2000 und 2010 auf sechs Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Einige Länder haben das Geld gerne genommen - und dann die Hochschulen als Schlachtsau für Sparprogramme entdeckt. Beispiel Berlin: Der Bund zahlt laut Studie das Vierfache pro Student, das Land hat dagegen seit dem Jahr 2000 fast 200 Millionen an seinen Hochschulen eingespart und damit die Bilanz ins Minus gedrückt. Nur wenige Länder stemmen sich gegen den Trend, etwa Baden-Württemberg, das jüngst ein eigenes Milliardenprogramm aufgelegt hat. "Bund und Länder müssten deutlich mehr Geld in die Hochschulen investieren - und zwar dauerhaft", sagt der Autor der Studie und Fibs-Direktor Dieter Dohmen.

Für die Studierenden bedeutet dies nicht nur volle Hörsäle. Auch die Chance, einen Professor zu sprechen, schwindet. Gerade in Mathematik, den Naturwissenschaften und bei Ingenieuren würden die Studenten schlechter betreut als früher, sagt Dohmen. Und es brechen besonders viele ihr Studium ab. Ausgerechnet in den Fächern, die Politiker gerne als zukunftsträchtig preisen.