Umstrittene Studienreform Oh, wie schön ist Bologna

Das Bologna-Projekt krankt daran, dass es unehrlich geplant wurde. Bachelor- und Diplom-Absolventen haben verschiedene Niveaus, und nicht jeder Bachelor ist für den Beruf qualifiziert. Zehn Jahre nach ihrer Einführung soll die Reform nun endlich auf den Prüfstand.

Ein Kommentar von Johann Osel

Im Herbst 2010 gingen Horden von Studenten auf die Straße, um gegen die Bologna-Reform anzuschreien - doch der Protest wurde schnell von Politik und Rektoren totgekuschelt. Wie großartig es doch sei, dass die jungen Leute wieder politisch aktiv seien, hieß es da; und dass Besserungen bei Bachelor und Master zügig kommen.

Tatsächlich waren die Hochschulen seitdem nicht untätig, etwa wurde an Prüfungsordnungen gebastelt. Dass die Rektorenkonferenz, aufgeschreckt durch ihr forsches Oberhaupt, nun die Reform erneut "auf den Prüfstand" stellen will, ist dennoch nötig.

Sich Bologna in rosaroten Farben schönzureden, ist ebenso plump wie die radikale Rückkehr zum alten System. Bei einer Reform legt man nun mal nicht einfach einen Schalter um, die Bachelor-Generation muss damit leben, Versuchskaninchen zu sein. Das ganze Projekt krankt aber daran, dass es unehrlich geplant wurde. Bologna verkürzt das Studium und damit die Inhalte. Bachelor- und Diplom-Absolventen haben unbestritten verschiedene Niveaus - und das des Kurzabschlusses reicht eben nicht für alle Berufe aus.

Wer nach dem Bachelor schon in den Job gehen kann und will, hat einen Abschluss. Jeder Student muss aber das Recht auf einen Masterplatz haben, um das Niveau des Diploms zu erreichen. Derzeit setzen Hochschulen oft Quoten - aus Geldnot, aber auch, um das Bild von der gelungenen Reform aufrechtzuerhalten.