Umgang mit Plagiaten "Die Universitäten haben keinen Bock mehr"

Mit ihm fing alles an: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) trat 2011 wegen eines Plagiatsskandals als Verteidigungsminister zurück.

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Prüfverfahren, die sich schier endlos hinziehen, und Professoren, die straffrei abschreiben: Drei Jahre nach dem Beginn der Guttenberg-Affäre packt Plagiatsexperten die Wut. Sie werfen den Universitäten Untätigkeit vor.

Von Roland Preuß

Da ist dieser Fall an der Universität Bonn, Martin W. hatte seine zeitgeschichtliche Doktorarbeit 2009 veröffentlicht. Zwei Jahre später prüften Plagiatesucher der Plattform "Vroniplag" das Werk - und fanden viele anrüchige Stellen. Seit 2011 sind die Ergebnisse für jedermann zu sehen. Zur Sicherheit informierte Debora Weber-Wulff aber auch noch die zuständige Universität Bonn. Doch fast drei Jahre nach der Aufdeckung ist noch immer nichts entschieden, kein Titelentzug, kein Freispruch.

"Ich habe jetzt eine Art Mahnwesen eingeführt", sagt Weber-Wulff. Sie ist Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Mitglied im Vroniplag-Team - und eine der prominentesten Plagiatsexperten der Republik. Vor allem aber ist sie ernüchtert. "Es ist sehr traurig, wie nachlässig einige Universitäten immer noch mit Plagiatsfällen umgehen", sagt sie.

Vor nun drei Jahren entspann sich die Plagiatsaffäre des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit dreist zusammengeräubert und ähnlich dreist versucht, das Problem kleinzureden. Nach heftigen Protesten von Wissenschaftlern bis hin zu Unionspolitikern trat er zurück. Mit diesem Präzedenzfall verbindet sich seitdem die Hoffnung, dass die Unis Plagiatsfälle ernster nehmen, ihre Vorschriften verschärfen und dann auch entsprechend Titel entziehen. Doch das ist nach der bisherigen Erfahrung von Weber-Wulff und anderen Experten nicht der Fall.

"Unser Ruf im Ausland ist in Gefahr"

Es gibt durchaus die Fälle, in denen sich die zuständigen Dekane der Fakultäten bedanken für Hinweise Weber-Wulffs auf Plagiate und versprechen, diesen auch nachzugehen. Die Professorin mailt immer wieder Fundergebnisse von Vroniplag an die Hochschulen, darin ist der Link mit der Dokumentation der Abschreiberei samt ihrem Namen und ihrer Adresse. Dennoch versuchen einige Unis, einen Plagiatsverdacht sofort abzuwehren.

Wir gehen anonymen Hinweisen nicht nach, heißt es etwa trotz professoraler E-Mail-Signatur. Andere versuchten, die Angelegenheit sofort unter die Decke der Vertraulichkeit zu ziehen, sagt Weber-Wulff: Nichts dürfe öffentlich werden. Und dann sind da die Unis, die gar nicht reagieren auf ihre Hinweise - aus Unsicherheit, vielleicht auch aus Sturheit. Wie die drei Affen, sagt Weber-Wulff. "Ich hatte gehofft, dass wir viel weiter sind. Unser Ruf im Ausland ist in Gefahr."

Doch selbst, wenn die Hochschule offiziell prüft, kommt nicht unbedingt Hoffnung auf. Beispiel Martin W. in Bonn: Hier teilt die Uni mit, die Plagiatsprüfung sei immer noch nicht abgeschlossen - fast drei Jahre nach der Aufdeckung. Man habe zwei externe Gutachter beauftragt, deren Stellungnahmen "bis Ostern" vorliegen sollen. Warum das so lange dauert? Man habe viel Aufwand gehabt mit den Plagiatsfällen des FDP-Abgeordneten Georgios Chatzimarkakis und der Politikwissenschaftlerin Margarita Mathiopoulos, lässt die Fakultät ausrichten. Es gehe "Gründlichkeit vor Geschwindigkeit". Dabei hatte Vroniplag die Vorwürfe auf dem Silbertablett serviert, als Gegenüberstellung von Originalquelle und übernommenen Stellen.