Studium So finden Abiturienten und unglückliche Studierende das richtige Studienfach

Wieviele von ihnen wollen bis zum Abschluss durchhalten?

(Foto: dpa)

Franz Muschol leitet die zentrale Studienberatung der LMU und erklärt, was die Fächerwahl mit Klamottenkaufen zu tun hat.

Interview von Matthias Kohlmaier

Fast ein Drittel der Studierenden schmeißt das Studium irgendwann hin, meistens schon in den ersten beiden Semestern. Wie sich das oftmals vermeiden ließe, weiß Franz Muschol. Er leitet die zentrale Studienberatung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

SZ.de: Herr Muschol, laut einer aktuellen Studie brechen die meisten Studierenden ihr Studium ab, weil sie fachlich überfordert sind. Wie erleben Sie das in der Beratung?

Franz Muschol: Leider nutzt nur ein kleiner Teil der Studierenden, die in ihrem Fach nicht mithalten können, die Studienberatung. Wer gerade am Anfang des Studiums schon durch mehrere Klausuren fällt, gibt häufig auf und kommt einfach nicht mehr. An diese Studierenden, die ja nicht zwingend ungeeignet für ein Studium sein müssen, sondern womöglich nur das falsche Fach gewählt haben, kommen wir in der Beratung leider kaum ran.

Wie ließe sich das ändern?

Ideal wäre es natürlich, wenn wir proaktiv auf gefährdete Studierende zugehen könnten. Studienabbruch ist ja keine spontane Sache, sondern ein Prozess. Wenn wir Studienberater die Möglichkeit hätten, Studierende gezielt anzusprechen, die bereits in mehreren Prüfungen vor Zweit- oder Drittversuchen stehen, könnte man auch früher gegensteuern und Probleme beheben. Aber dafür müssten wir über den Leistungsfortschritt aller Studierenden informiert sein, was aus verschiedenen strukturellen Gründen bislang nicht möglich ist.

Fast jeder Dritte bricht das Studium ab

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Viele Abiturienten müssen sich derzeit wieder für ein Studienfach entscheiden. Was raten Sie ihnen?

Zuerst einmal finde ich, dass an den Schulen in Sachen Studien- und Berufsorientierung noch einiger Verbesserungsbedarf besteht. Um das Risiko eines Studienabbruchs von vornherein zu minimieren, muss man bereits an den Schulen ansetzen. Dafür bräuchte es geeignete Lehrerfortbildungen, die es momentan aber leider so gut wie nicht gibt. Aber zurück zu den jungen Leuten: Für die kommende Studierendengeneration sehe ich vier zentrale Bereiche, über die sie sich Gedanken machen sollte.

Als da wären?

Los geht es mit Selbsterkundung: Wer bin ich? Was will ich? Welche Stärken und Schwächen habe ich? Ich vergleiche das gerne mit dem Einkauf von Kleidung. Auch da muss ich erst meine Konfektionsgröße herausfinden und welche Farbe mir steht - die Suche nach dem idealen Studienfach funktioniert im Prinzip genauso. Natürlich ist diese Selbsterkundung auch keine Momentaufnahme sondern an die Entwicklung der Persönlichkeit gebunden. Man muss sich selbst also immer wieder neu hinterfragen: Denn was einem Schüler in der neunten Klasse Spaß gemacht hat, muss ihm kurz vor oder nach dem Abitur nicht mehr unbedingt gefallen.

Wie geht es nach der Selbsterkundung weiter?

Mit der Marktforschung. Welche Studiengänge gibt es überhaupt und was kommt für mich infrage? Da beschweren sich viele junge Leute schon, weil wir doch in Deutschland an die 12 000 grundständige Studiengänge hätten und da ja niemand durchblicken könne. Ich sage in der Beratung gern: Es gibt auch eine nicht überschaubare Anzahl von Urlaubszielen und in den Urlaub fahrt ihr doch trotzdem. Wenn man weiß, dass man gern ins Warme will, dann scheidet der Norden schon mal aus. Und wer mit Mathe, Chemie und Physik nichts am Hut hat, kann die Naturwissenschaften recht flott ausschließen und hat damit für sich gleich rund die Hälfte der verfügbaren Studiengänge vom Tisch.