Studium nach der Bologna-Reform Fit in sechs Semestern?

Ein Bachelor ist weder generell schlecht noch für alle Tätigkeiten unzureichend. Aber unbestritten ist Bologna eine bewusste Verknappung von Inhalten zugunsten eines effizienteren Studiums. Für viele akademische Berufe ist schlichtweg eine höhere Qualifikation nötig.

Ein Kommentar von Johann Osel

Ein 22-jähriger Akademiker, der das achtjährige Gymnasium absolviert hat und in sechs Semestern Bachelor-Studium passgenau für den Arbeitsmarkt qualifiziert wurde - jahrelang hat die Wirtschaft davon geträumt. Die Studienreform von Bologna hat es ihr gegeben. Nun haben einige Bachelor-Jahrgänge die Hochschulen verlassen.

Sie finden durchaus Jobs, in Zeiten des Fachkräftemangels bleibt Arbeitgebern kaum eine Wahl. Zugleich gibt es Klagen über die Kenntnisse des Nachwuchses. In Erinnerung an den früheren Diplom-Ingenieur hat sich die Wirtschaft Champagner erhofft - serviert wird meist nur Himbeerlimonade. Die stillt zwar den Durst, ist aber nicht unbedingt berauschend.

Ein Bachelor ist weder generell schlecht noch für alle Tätigkeiten unzureichend. Aber unbestritten ist Bologna eine bewusste Verknappung von Inhalten zugunsten eines effizienteren Studiums. Für viele akademische Berufe ist schlichtweg eine höhere Qualifikation nötig, als sie ein Sechs-Semester-Studium vermitteln kann. Die studentische Nachfrage nach dem weiterführenden Master-Studium ebbt daher nicht ab.

Europas Bildungsminister fordern nun, dass Universitäten und Wirtschaft stärker bei der Gestaltung von Studiengängen kooperieren. Das zielt eher auf zweckdienliche Durchschnittlichkeit als auf ein solides Fundament. Wenn Studenten einen Master-Platz wünschen, darf ihnen dies nicht verwehrt werden. Das tun Hochschulen derzeit, weil sie die Kosten scheuen und die Idee des berufstauglichen Bachelors nicht konterkarieren wollen. Es liegt jedoch in der Freiheit jedes Einzelnen, wie weit er in seiner Bildungsbiographie geht. Hier steht weder Staat noch Wirtschaft Einmischung zu.