Studie Mängel bei Schulförderung

Unterricht mit Flüchtlingskindern: Schulen, in die viele Zuwanderer gehen, haben einen höheren Personalbedarf, etwa für mehr Sprachunterricht.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Den Ländern gelingt es selten, soziale Nachteile von Schülern auszugleichen.

Von Ulrike Nimz

Fördermittel für zusätzliche Lehrerstellen an Schulen mit hohen Zuwandererzahlen werden in Deutschland nicht immer nach Bedarf verteilt. Zu diesem Ergebnis kommt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Eine Analyse der Lehrerzuweisung in den 16 Bundesländern zeigt, dass nur neun Länder bei der Vergabe der Fördertöpfe Kriterien wie beispielsweise Daten zu sozialem Umfeld der Schule zugrunde legen. Vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen stellt das die Länder zunehmend vor Probleme.

Zwar nutzen die Kultusbehörden in Bayern, Hessen, Niedersachsen, dem Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und den Stadtstaaten teilweise Anhaltspunkte wie die bei den Schülern zu Hause gesprochene Sprache, um Schulen gezielt zusätzliches Personal zuzuweisen. Im übrigen Bundesgebiet entscheiden die Behörden oft ohne Rückgriff auf harte Daten, wer wie viele zusätzliche Lehrer erhält. So erhielten Schulen mit einem hohen Zuwandereranteil und in sozial schwieriger Lage trotz Mehrbedarfs zum Teil ebenso viele oder weniger zusätzliche Stellen wie eine "Durchschnittsschule".

Der Blick in Einwanderungsländer lohnt: In den USA werden Schüler auf Sprachfähigkeiten getestet

2007 haben sich die Bundesländer verpflichtet, dass sich ungleiche pädagogische Ausgangslagen auch in der Schulfinanzierung niederschlagen müssen. Durch zusätzliches Personal sollen die Standortnachteile ausgeglichen und die Lernbedingungen für Schüler mit Migrationshintergrund verbessert werden. Um den Mehrbedarf zu ermitteln, wählen die Länder unterschiedliche Wege. So nutzen Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen Sozialraumdaten wie die örtliche Sozialhilfequote. Der sogenannte Sozialindex kommt vergleichsweise selten zum Einsatz: Die hessischen und nordrhein-westfälischen Schulbehörden vergeben nur ein bis vier Prozent ihrer Lehrerstellen danach. Die Flächenländer haben das Problem, dass die Datenbasis in einigen Gemeinden lückenhaft ist. Hinzu kommen datenschutzrechtliche Bedenken. Dennoch müsse in jedem Bundesland "eine einheitliche Datenbasis geschaffen werden, um den Bedarf einzelner Schulen transparent und vergleichend messen zu können", heißt es in der von der Stiftung Mercator geförderten Studie.

Lohnenswert ist laut SVR der Blick in Einwanderungsländer wie USA und Frankreich. So wird der Sprachförderbedarf der Schüler in einigen US-Bundesstaaten durch Tests erfasst. In Frankreich ist die Verwendung zusätzlicher Mittel klar definiert. Die Stellenzulagen der Bundesländer sind bislang kaum an Entwicklungsziele gekoppelt. So profitieren Schüler mit Migrationshintergrund noch zu selten von Zuschüssen. Die Lehrergewerkschaft GEW geht von 24 000 Lehrern aus, die zusätzlich benötigt werden, um die Flüchtlingskinder zu unterrichten.