Studie des Kinderschutzbundes Grundschüler leiden unter Stress

Schon Zweit- und Drittklässler sind gestresst: Einer Umfrage zufolge fühlen sich Kinder von Unterricht, Hausaufgaben und Leistungsdruck überlastet und wünschen sich mehr Zeit für Erholung. Nicht das einzige überraschende Ergebnis der Studie des Kinderschutzbundes.

Klassenarbeiten, Pauken bis zum Nachmittag und Leistungsdruck: Der Schulalltag ist für Kinder oft stressig. Schon ein Drittel der Zweit- und Drittklässler kennt Stress in der Grundschule. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) zusammen mit anderen Initiatoren am Mittwoch in Berlin vorstellte. Befragt wurden dafür knapp 5000 Kindern zwischen sieben und neun Jahren.

Schon Grundschüler kommen leicht auf eine 37-Stunden-Woche - und fühlen sich oft erschöpft.

(Foto: dpa)

Danach ist die Schule für die Kinder fast bundesweit der meistgenannte Stressfaktor, noch vor "Ärger und Streit" und Auslösern in der Familie. Bereits ein Viertel der Zweit- und Drittklässler fühlt sich oft oder sogar sehr oft gestresst. "Bemerkenswert ist, dass Kinder in der dritten Klasse doppelt so häufig den Erfolgsdruck als Stress empfinden wie noch die Zweitklässler", sagte DKSB-Sprecher Friedhelm Güthoff. Dies seien bereits die "Vorwehen" der bevorstehenden Wahl der weiterführenden Schule, kritisierte er.

Gleichzeitig zeigte die Studie jedoch auch, dass die Sieben- bis Neunjährigen vielen Vorurteilen zum Trotz ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein haben, viele Entspannungsmöglichkeiten kennen - und dass insgesamt fast neun von zehn Kindern angeben, "in der Regel glücklich" zu sein.

Fast allen Kindern ist es wichtig, gesund zu sein, rund 90 Prozent finden es ziemlich oder sehr wichtig, gesund zu essen. Vier von fünf Kindern geben an, oft oder sehr oft Obst und Gemüse zu essen - deutlich mehr als dies über Süßigkeiten sagen (28 Prozent). Bei Getränken liegen Wasser und ungesüßter Tee (62 Prozent) vor Limonade (22 Prozent). "In diesem Alter ist alles vorhanden, was zur Ausbildung eines gesunden Lebensstils erforderlich ist. Nun sind wir Erwachsene gefordert, diese Impulse zu erhalten und zu verstärken", sagte der Mediziner Dietrich Grönemeyer. Bekannt und durch andere Studien belegt sei ja, dass sich das Ernährungsverhalten bei vielen Kindern später sehr negativ entwickele. "Hier müssen Eltern, Lehrer und auch Ärzte viel mehr dranbleiben."

Eltern sollten auch dafür sorgen, dass der Stress zu Hause sich in Grenzen hält und nicht schon beim Aufstehen Hektik aufkommt. So tun sie etwas dafür, dass die Kleinen gut in den Tag starten. "Das Familienleben ist hektischer geworden. Die Eltern sind morgens oft schon vor den Kindern aus dem Haus", sagte Stefan Drewes vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).

Ein gemeinsames Frühstück und rechtzeitiges Aufstehen könnten aber dafür sorgen, dass die Kinder mit einem guten Gefühl zur Schule gehen. Haben Eltern das Gefühl, ihr Sohn oder ihre Tochter erleben in der Schule viel Stress, sollten sie die Gründe dafür herausfinden: Sind es Konflikte mit anderen Kindern? Oder bestimmte Fächer? Auch vor Klassenarbeiten fühlten sich Schüler häufig unter Druck gesetzt. Dem könnten Eltern entgegenwirken, indem sie Rücksprache mit dem Lehrer halten und erfragen: Wo steht mein Kind, wo kann ich mit ihm noch üben? "Das sollte aber mit etwas Vorlauf passieren und nicht erst einen Tag vor der Arbeit", sagte Drewes, der Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie beim BDP ist.

Wichtig sei auch, dass Kinder am Nachmittag einen Ausgleich zum Lernen und Stillsitzen in der Schule haben. Dabei sollte aber nicht die Leistung im Vordergrund stehen: "Also nicht noch im Fußballverein darauf achten, dass mein Kind der Beste ist", sagt Drewes. Hobbys sollten spielerisch betrieben werden. Damit das Kind genug Ruhe bekommt, muss aber auch Leerlauf möglich sein: "Kinder dürfen auch einmal Langeweile haben, sie kommen dann zur Ruhe und können neue Ideen entwickeln."

Die Studie wurde vom Prosoz-Institut für Sozialforschung durchgeführt und vom Unternehmen Elefanten-Schuhe finanziert.