Sponsoring an Hochschulen Stifter und Unruhestifter

Gestiftete Professuren und Institute sind im Trend: Angesichts klammer Kassen an den Hochschulen sind private Geldgeber gerne gesehen. Doch die Freizügigkeit der Sponsoren kommt immer wieder ins Gerede. Der Vorwurf: Unter dem Deckmantel des Stiftens werde bloße Auftragsforschung betrieben.

Von Kim-Björn Becker und Johann Osel

Es ist ein großer Aufwand für eine kleine Brise. Das Raumklima der Zukunft wollen Ingenieure hier austüfteln - und Platz genug haben sie dafür: Hausfassaden werden nachgebaut, Flugzeugkabinen auch. Und um die Luftzirkulation im Inneren eines Autos zu messen, steht gleich nebenan ein verkabelter Mercedes. Denn: Wenn Luft besser zirkuliert, kann sie mit weniger Aufwand beheizt werden - man spart Energie. Genau darum geht es den Forschern in der großen Versuchshalle.

Das Areal ist Teil eines interdisziplinären Instituts an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen - dem "Eon Energy Research Center" (ERC). Der Energiekonzern hat es maßgeblich finanziert: Vier Millionen Euro fließen seit 2006 pro Jahr, zehn Jahre lang. So sieht es der Vertrag zwischen dem Unternehmen und der Universität vor.

Neben der Halle steht das neue Verwaltungsgebäude des ERC, die 170 Mitarbeiter sind erst vor wenigen Wochen umgezogen. Eine durchkomponierte Innenarchitektur erwartet den Besucher - es wirkt nicht wie die Einrichtung einer Hochschule, eher erinnert es an die Dependance eines Konzerns. Die Achse Forschung-Wirtschaft pflegt man in Aachen seit Jahren mustergültig: Mit 258 Millionen Euro hat die Uni 2010 bundesweit die meisten Drittmittel eingeworben.

Im Erdgeschoss hat Rik de Doncker sein Büro, der Direktor des ERC und einer von fünf Lehrstuhlinhabern, die über das Stiftungsmodell entstanden sind. Er sagt: "Wir sind zu 100 Prozent eine Einrichtung der RWTH. Aber durch die Zusammenarbeit können wir hier Forschung betreiben, die uns in diesem Umfang aus dem Haushalt der Universität allein wohl nicht möglich wäre." Zugleich lehren die Mitarbeiter des ERC auch an den Fakultäten. Und der Vorteil für den Sponsor? "Im Gegenzug verspricht sich Eon Input aus der Forschung", sagt de Doncker. Vertragsklauseln, denen zufolge Forschungsergebnisse vorab an den Konzern übermittelt werden müssten, gebe es aber nicht. Auch Patente, die das Ergebnis der Forschung sein können, verblieben alleine bei der Universität.

Das ist ein nicht ganz unwichtiges Detail - es ausdrücklich zu betonen, ist angesichts jüngster Entwicklungen offenbar vonnöten. Einerseits sind gestiftete Professuren und Institute, aber auch gesponserte Hörsäle im Trend; andererseits kommt die Freizügigkeit privater Geldgeber immer wieder ins Gerede - wegen des Vorwurfs, unter dem Deckmantel des Stiftens bloße Auftragsforschung zu betreiben. Derzeit gibt es gut 700 laufende Stiftungsprofessuren (circa zwei Prozent aller Ordinarien), zudem ein paar hundert ausgelaufene, die dann teils in den Haushalten der Hochschulen aufgingen.