Sozialarbeiter an Schulen Helfer in Not

Schulsozialarbeiter sind kein Allheilmittel, das ist allen Experten klar. Doch verbessert sich an Einrichtungen mit solchen Stellen das Schulklima.

(Foto: imago/Westend61)

Konflikte schlichten, Schwänzen verhindern, Familien beraten: Die Sozialarbeit an Schulen genießt einen formidablen Ruf - aber eine miese Finanzierung der Stellen.

Von Ralf Steinbacher und Johann Osel

Simona Sieglar weiß nicht, ob sie im Sommer noch einen Job haben wird. Die Stelle der Schulsozialarbeiterin im nordrhein-westfälischen Wermelskirchen wurde aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) des Bundes finanziert, doch bald ist der letzte Rest des Geldes aufgebraucht. Hunderte derartige BuT-Jobs sind in anderen Ländern bereits ausgelaufen. Dabei hatte alles so gut angefangen: Etwa 3000 Stellen für Schulsozialarbeit sind nach Recherchen des Paritätischen Gesamtverbands bundesweit mit dem Programm geschaffen worden. Ursprünglich als Begleitung für das Paket, mit dem die damalige Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) Zuschüsse zum Mittagessen, Kultur oder Nachhilfe für ärmere Kinder lancierte. Neue Kräfte sollten den Eltern durch den Dschungel der Formalia helfen - und auch klassische Sozialarbeiter-Aufgaben übernehmen.

Doch das Projekt war von Anfang an befristet, vielerorts stellt sich die Frage: Wer springt nun ein? Seit mehr als einem Jahr heißt es oft: zittern. Es gibt teils Übergangsgeld durch Kommunen, mancherorts öffneten Unternehmer ihr Portemonnaie, gar mit einer Tombola haben einige Kommunen die Jobs gerettet - oder zumindest die an Schulen in Problembezirken.

Aufgaben variieren von Schule zu Schule

Nur Berlin, Hamburg, Bremen und Bayern hätten die Stellen einfach weiterfinanziert, sagt Thomas Pudelko vom Paritätischen Gesamtverband. Doch handele es sich um vergleichsweise niedrige Zahlen, Schwergewicht in diesem Zusammenhang sei Nordrhein-Westfalen. Fast 1500 Stellen habe allein NRW über das Paket geschaffen. Der Haken aber bei der Lösung, die im November nach langem Ringen gefunden wurde: Das Land zahlt zwar - vorerst bis 2017 - 48 Millionen Euro pro Jahr. Allerdings sollen Städte und Gemeinden sich beteiligen, mit 20 Millionen jährlich. Tun sie das wirklich? Im Rheinisch-Bergischen Kreis, wo Sozialarbeiterin Sieglar arbeitet, ist die Sache völlig offen. Sie ist für 13 Schulen und zudem 17 Kitas zuständig, betreut vor allem Kinder aus Familien mit geringem Einkommen. Die können mit dem Teilhabepaket an Ausflügen teilnehmen oder im Verein Sport machen.

Wie breit die Schulsozialarbeiter wirken, kann Petra Strübel-Yilmaz berichten, Geschäftsführerin des Sozialkritischen Arbeitskreises Darmstadt: Manchmal leide ein Kind so unter der Schule, dass es nicht mehr hingehe, andere hätten Stress mit den Eltern, Streit untereinander, fühlten sich von einem Lehrer gemobbt. Vieles, so Strübel-Yilmaz, "lässt sich durch Gespräche wieder in die richtigen Bahnen lenken".

Die Aufgaben variieren von Schule zu Schule, es geht um den Blick auf Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen - aber oft um das ganze Schulleben: Streitschlichtung, Maßnahmen gegen Schwänzen, Elternarbeit wie durch Mütter-Cafés, Projekte mit Vereinen. Wenn man sich auf Einzelfälle konzentriere, sei meist schon etwas passiert, so Strübel-Yilmaz. In Darmstadt setzt man auf Prävention: Schon Schulanfänger werden betreut, "damit sie gut ankommen"; und so könne man die Ansprechpartner früh bekannt machen, denn für Jugendliche sei "die Hürde oft groß, in den Beratungsraum zu gehen".