Schule und soziale Netzwerke "Mutmach-Nachrichten" via Facebook

Tatsächlich scheint die Hierarchie des Klassenzimmers im Netz schnell vergessen zu werden. "Ich habe schon erlebt, dass jüngere Schüler bei Facebook über Kollegen hergefallen sind, mit denen ich befreundet bin", erzählt Daniela Peters. "Eine Zeitlang habe ich alle Freundschaften zu Schülern abgebrochen, die noch nicht in der Kollegstufe (Oberstufe, Anm. d. Red.) waren."

GEW-Referentin Schmerr sieht einen Gewissenskonflikt für Pädagogen nicht nur gegenüber Kollegen. Unklar sei, inwiefern die Fürsorgepflicht von Lehrern auch in einem pseudo-privaten Raum wie Facebook gelte: "Müssen sie einschreiten, wenn sie von Beleidigungen oder auch Saufgelagen erfahren?" Sie rate zwar nicht grundsätzlich von Freundschaften mit Schülern ab, aber: "Man macht es sich einfacher, wenn man Schule und soziales Netzwerk klar voneinander trennt." Wer doch auf Freundschaftsanfragen eingeht, so ihre Empfehlung, soll dies konsequent tun: "Wenn man einen annimmt, muss man alle annehmen. Sonst fühlen sich manche Schüler zurückgesetzt."

Für Daniela Peters ist Facebook vor allem eine gute Möglichkeit, Kontakt zu ehemaligen Schülern zu halten. Sie nutzt das soziale Netzwerk aber auch für erweiterte Unterrichtszwecke: "Vor wichtigen Prüfungen habe ich meinen Schülern auf diesem Wege Skripte zukommen lassen und sie konnten letzte Fragen stellen. Außerdem habe ich versucht, sie mit Mutmach-Nachrichten aufzubauen." Eine Herangehensweise, die auch GEW-Sprecherin Schmerr befürwortet: "Wenn man Facebook unterrichtsergänzend und professionell einsetzt, ist dagegen nichts zu sagen."

Facebook im Klassenzimmer problematisieren

Zum Problem können aber nicht nur Pädagogen werden, die Facebook zu offensiv nutzen. Vor allem viele ältere Lehrer verweigern sich sozialen Netzwerken und hinken dem Wissen ihrer Schüler diesbezüglich hinterher. Schmerr plädiert deshalb für Fortbildungen - auch weil es wichtig sei, Facebook im Klassenzimmer zu problematisieren. Dabei gehe es nicht nur darum, die Schüler für Cybermobbing und den Datenmissbrauch durch Dritte zu sensibilisieren. "Es ist bekannt, dass Facebook selbst Informationen sammelt und vielleicht auch missbraucht. Für die hoheitlich geschützte, pädagogische Aufgabe, die ich als Lehrer wahrnehme, ist Facebook ohnehin ein fragwürdiger Raum. Also muss ich zumindest diese Problematik vermitteln."

Doch selbst Lehrer, die Facebook aus eben diesen Gründen ganz bewusst meiden, sind nicht vor Gefahren gefeit. Sebastian Wagner (Name von der Red. geändert) unterrichtet an einem bayerischen Gymnasium Sport und Englisch. In einer Prüfung wurde er von einem Schüler auf die gemeinsame Facebook-Verbindung angesprochen - doch dort ist Wagner nicht Mitglied. "Ich vermute, dass ein Schüler einen Fake-Account unter meinem vollen Namen angelegt hat." Das Profil mache ihn zwar nicht lächerlich, doch der Unbekannte sammle mittlerweile aktiv Freunde in seinem Bekanntenkreis.

Bislang hat Wagner den falschen Facebook-Account nicht löschen lassen, weil das für ihn als Nicht-Mitglied mit bürokratischen Hürden verbunden ist. "Zumindest", so Wagner, "lädt er keine Fotos von mir hoch."