Schule NRW-Schüler verstehen Prinz Harry nicht

Schwer verständlich: Prinz Harry.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Schüler aus NRW verlangen die Wiederholung der "Zentralen Prüfung 10" im Fach Englisch.
  • Redebeiträge von Prinz Harry und der Sängerin Miriam Makeba seien beim Anhören kaum verständlich gewesen, außerdem viele unbekannte Vokabeln abgefragt worden.
  • In einer Onlinepetition haben die Jugendlichen bereits Zehntausende Unterschriften gesammelt.

Abertausende junge Damen und Herren weltweit würden sich gerne einmal etwas von ihm ins Ohr hauchen lassen: Prinz Harry, attraktiver Windsor-Spross und immerhin Nummer fünf der britischen Thronfolge. Es stellt sich allerdings die Frage: Würden sie den hübschen Prinzen überhaupt verstehen? Denn wenn man Zehntklässlern aus Nordrhein-Westfalen glaubt, dann nuschelt Harry bis zur Unverständlichkeit.

Für die Schüler ist das problematisch, weil eine Rede des Prinzen zentraler Bestandteil der Abschlussprüfung "Zentrale Prüfung 10" im Fach Englisch war. Bei dieser Prüfung entscheidet sich, ob die Jugendlichen im Anschluss die Oberstufe eines Gymnasiums besuchen dürfen. Weil sie nicht nur den Prinzen, sondern auch mit Musik unterlegte Redepassagen der Sängerin Miriam Makeba nicht verstanden und zudem in weiteren Aufgaben zahlreiche unbekannte Vokabeln abgefragt wurden, fordern die Schüler eine Wiederholung der Prüfung. Per Online-Petition haben sie dafür am Montagnachmittag bereits mehr als 43 000 Unterschriften gesammelt.

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Es scheint, als könnten die Jugendlichen mit ihrer Beschwerde sogar Erfolg haben. Lehrer hätten wegen der schwierigen Prüfung zu Dutzenden angerufen und E-Mails geschickt, sagte die Vorsitzende des Verbandes Lehrer NRW, Brigitte Balbach. "Das war zu schwer, das war außerhalb all dessen, was man hätte erwarten können".

In der Englisch-Prüfung für den Mittleren Abschluss unter anderem an Real- und Gesamtschulen ging es um Apartheid und Südafrika. Zum "Hörverstehen" hätten die Schüler eine technisch schlechte Aufnahme bekommen, sagte Balbach. Die Sprache sei schlecht zu verstehen gewesen, und deshalb hätten die dazu gestellten Fragen auch Probleme bereitet.

Sogar Muttersprachler hatten Probleme

"Fachlehrer, sogar Muttersprachler melden zurück, dass sie selbst große Probleme hatten, die Hörverstehens-Aufgabe zu verstehen und zu lösen", erklärte Lehrer NRW. Praxisferne Prüfungsaufgaben, die nicht widerspiegelten, was im Unterricht gelernt werden konnte, dürften jungen Menschen nicht ihre Abschlussnote verderben.

Balbach betonte, sie wolle am Montag darüber bei einer Sitzung des Hauptpersonalrats für Realschulen im Düsseldorfer Schulministerium sprechen. Sie forderte eine zentrale Lösung durch das Ministerium und lehnte eine individuelle Lösung von Lehrern ab. "Es darf nicht sein, dass Lehrer angehalten werden, den Fall aus der Welt zu schaffen", sagte sie. Bislang gab es Stimmen, dass der betroffene Prüfungsteil anders gewertet oder sogar neu geschrieben werden könnte.

Die Vorsitzende des Verbandes, der Lehrer an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen vertritt, äußerte Verständnis für die Schüler-Petition. Nicht alle von den Schülern in NRW genutzten Bücher behandelten das Thema Apartheid. "Im Grunde hat die Aufgabe das Gelernte der Schüler nicht abgefragt." Sie wolle auch erfahren, wie es zu der von einer Experten-Gruppe gestellten Aufgabe kam.

Der Verband Bildung und Erziehung NRW beurteilt den Fall etwas nüchterner. Eine Wiederholung der Prüfung halte man wegen des zusätzlichen Stresses für die Prüflinge nicht für den besten Weg. VBE-Chef Udo Beckmann meint stattdessen: "Sollten die Prüfungen tatsächlich so schlecht ausfallen, wie offenbar befürchtet wird, raten wir dazu, das Bewertungsraster neu aufzustellen, um ein angemessenes und faires Abbild der Leistungen der Schülerinnen und Schüler zu bekommen."

Update 24.05.: Mittlerweile hat das Schulministerium eine Entscheidung getroffen. Die kritisierte Aufgabe wird demnach aus der Bewertung genommen. Sollten Schüler das wünschen, dürfen sie die Klausur aber auch freiwillig nachschreiben.

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