Schule"Ich bekenne, ich habe im Sportunterricht geweint"

Von Freundschaften fürs Leben bis zum Weitwurf mit entschärften Handgranaten: Das haben SZ-Mitarbeiter im Sportunterricht erlebt.

In der Grundschule bestand unser Sportunterricht in meiner Erinnerung größtenteils aus Völkerball. Bis auf dieses eine Mal, es muss in der ersten oder zweiten Klasse gewesen sein. Unser Lehrer ließ uns zwei Kästen aufstellen, dazwischen Matten. Von der Decke baumelte ein Seil. Hinter dem einen Kasten versammelte er die Mädchen, hinter dem anderen die Jungen. "Wir spielen jetzt Tarzan und Jane", sagte er. Die Jungs mussten mit dem Seil von einem Kasten zum anderen schwingen, die Mädchen dort auf sie warten. Dann: Beide ans Seil, gemeinsam zurück. Wie peinlich! Weil: Jungs! Mädchen! Igitt!

Als erwachsene Feministin fielen mir heute noch ein paar mehr Dinge ein, die mich an dieser Anordnung stören, aber naja. Damals hatte ich nach meinem Empfinden Glück. Mich holte der netteste Junge der ganzen Klasse auf dem Kasten ab: Conrad. Conrad war klein, blond und sah ein bisschen aus wie Macaulay Culkin. Nachdem wir unsere Tarzan-und-Jane-Nummer recht würdevoll hinter uns gebracht hatten, fragte er mich im Weggehen: "Hey, wollen wir vielleicht Freunde sein?" Und wie ich wollte! Er durfte sogar als einziger Junge zu meinem Geburtstag kommen. Und ich zu seinem. Heute sind wir immer noch Freunde und ich packe bei jeder Gelegenheit die Geschichte von Tarzan und Jane aus. Conrad behauptet dann immer, er könne sich daran nicht erinnern. Aber ich glaube ihm kein Wort.

Hannah Beitzer

Bild: Illustration Jessy Asmus 9. Oktober 2017, 09:152017-10-09 09:15:53 © SZ.de/mkoh/liv