Schule Dürfen Lehrer Schüler berühren?

Wie viel professionelle Distanz sollten Lehrer zu ihren Schülern wahren?

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Wie viel Distanz müssen Lehrer und Schüler zueinander halten? Und dürfen sie bei Facebook miteinander befreundet sein?

Von Matthias Kohlmaier

Die Leserfrage

Ich würde gerne wissen, wie vertraut Lehrer und Schüler miteinander umgehen dürfen. Stimmt es, dass Lehrkäfte ihre Schüler unter keinen Umständen berühren sollen? Ist es Lehrkräften und Schülern erlaubt, privat Zeit miteinander zu verbringen, zum Beispiel in Sportvereinen? Und welche Regeln gelten in den sozialen Netzwerken?

Die Antwort

Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist besonders für die Pädagogen eine Gratwanderung: Sind sie zu nett und kameradschaftlich, haben die Schüler möglicherweise keinen Respekt vor ihnen; sind sie zu streng, riskieren sie eine Total-Opposition. Für ein produktives und angenehmes schulisches Miteinander dürfte also ein Mittelweg die beste Lösung sein - und der gilt auch für Teile Ihrer Fragen.

"Um ganz ehrlich zu sein, das Thema langweilt mich"

mehr...

Denn prinzipiell ist es Lehrern nicht verboten, Schüler anzufassen. Berührungen zwischen Lehrkräften und Schülern sind nirgends schriftlich geregelt. Wo sollte auch die Grenze gezogen werden? Ist ein Händedruck in Ordnung, solange er maximal fünf Sekunden dauert? Nein, es geht immer um Einzelfallentscheidungen, und die können und sollen die Beteiligten nach pädagogischem Ermessen und mit logischem Menschenverstand treffen. Eine Gymnasiallehrerin erzählt, wie sie es hält:

"Natürlich habe ich schon einmal einer Schülerin, die offensichtlich sehr geknickt war, nachdem sie eine schlechte Zensur bekommen hatte, kurz tröstend die Hand auf die Schulter gelegt. In dem Moment fand ich das völlig in Ordnung und sehe dabei auch jetzt noch kein Problem. Bei männlichen Kollegen ist das in mancherlei Hinsicht oft etwas anderes. Ich kenne viele Lehrer, die niemals eine Schülerin anfassen würden aus Angst, es könnte ihnen daraus irgendwann ein Problem entstehen.

Ein Kollege führt zum Beispiel prinzipiell keine Einzelgespräche mit Schülern bei geschlossener Tür. Das halte ich für ein vernünftiges Vorgehen. Als ich kürzlich eine Nachhol-Schulaufgabe mit einem einzelnen Schüler geschrieben habe, habe ich auch die Klassenzimmertüre offen gelassen."

Lehrkräfte scheinen also im Zweifelsfall darauf bedacht zu sein, eine professionelle Distanz zu Schülern zu wahren und gar nicht erst in eine Situation zu kommen, die ein Beteiligter oder auch ein Außenstehender als allzu intim interpretieren könnte. Und in puncto Körperkontakt gilt in der Schule schlicht dasselbe wie auch außerhalb: In unserer Gesellschaft wird eine Berührung von vielen Menschen schnell als Distanzverletzung wahrgenommen. Daher schadet es nicht, zweimal darüber nachzudenken, ob und in welcher Form es gerade angebracht ist, das Gegenüber anzufassen.