Schule Deutsche Grundschüler schwächeln in Mathe

Im Fach Mathematik haben Deutschlands Viertklässler Schwierigkeiten.

(Foto: dpa)
  • In der TIMSS-Studie werden alle vier Jahre mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse von Schülern weltweit getestet.
  • Deutschland hat sich an der aktuellen Erhebung mit 4000 zufällig ausgewählten Viertklässlern beteiligt.
  • Die Leistungen in Mathe haben sich im Vergleich zur Vorstudie verschlechtert, in Naturwissenschaften sind sie gleich geblieben.

Alle vier Jahre werden in der TIMSS-Studie ("Trends in International Mathematics and Science Study") mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Schülern getestet. Bei der jüngsten Erhebung im Jahr 2015 hat Deutschland - wie schon bei den beiden vorangegangenen Tests - mit etwa 4000 Viertklässlern aus 200 zufällig ausgewählten Grund- und Förderschulen teilgenommen. Die wichtigsten Ergebnisse:

Deutsche Schüler haben Probleme in Mathe

In diesem Unterrichtsfach sind sie laut TIMSS im internationalen Vergleich abgerutscht und liegen nun unterhalb des EU-Durchschnitts. Nach einer leichten Leistungssteigerung bei TIMSS 2011 (528 Punkte) verglichen mit der Studie aus dem Jahr 2007 (525), haben sich die Schüler diesmal leicht verschlechtert (522). Der EU-Durchscnnitt liegt bei 527 Punkten.

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Nach den Ergebnissen des Vergleichstests erreichte fast jeder vierte deutsche Viertklässler in Mathematik nicht die dritte von fünf Kompetenzstufen. Diese Kinder verfügen laut den Studienautoren "allenfalls über ein elementares mathematisches Wissen sowie über elementare mathematische Fähigkeiten und Fertigkeiten. Mathematisches Lernen in der Sekundarstufe I wird dieser Schülergruppe erhebliche Schwierigkeiten bereiten." Nur jeder zwanzigste Schüler schaffte es auf die höchste Kompetenzstufe. Zum Vergleich: Beim Primus Singapur lag die Hälfte der teilnehmenden Schüler in diesem Top-Bereich.

Nicht verschlechtert haben sich die deutschen Viertklässler in den Bereichen Umgang mit Daten und Geometrie/Messen, große Probleme macht ihnen dagegen die Arithmetik, also das Rechnen mit Zahlen. Dort waren sie sogar signifikant schlechter als noch 2007.

Leistungen in Naturwissenschaften sind unverändert

In den Naturwissenschaften blieben die Leistungen der 4000 deutschen Viertklässler zwar auf dem Niveau der Vorgängerstudie von 2011 - liegen aber inzwischen nur noch knapp über dem EU-Mittelwert. Bei den Naturwissenschaften stieg immerhin die Quote der Spitzenschüler von 7,1 (2011) auf 7,6 Prozent an, sie war aber gegenüber Ländern wie Schweden oder Russland sehr niedrig. Und zieht man TIMSS 2007 zum Vergleich heran, ging es bei der Topschüler-Quote in Naturwissenschaften insgesamt sogar bergab. Insgesamt gilt dennoch: Den weltweiten Test-Mittelwert übertrifft Deutschland in Mathe wie auch den Naturwissenschaften nach wie vor deutlich.

Schüler mit Migrationshintergrund liegen zurück

Obwohl sich Grundschüler, von denen ein oder zwei Elternteile im Ausland geboren wurden, im Test verbessern, haben sie in Deutschland weiterhin große Rückstände. Der Leistungsvorsprung von Kindern mit hierzulande geborenen Eltern betrug in Mathematik 31 Punkte - das entspricht fast dem Lernerfolg eines Schuljahres. In den Naturwissenschaften gab es sogar 47 Punkte Differenz. Die deutsche Schülerschaft war 2015 vielfältiger als bei früheren Tests - was es für die Lehrkfräfte natürlich nicht einfacher macht, den Lernerfolg bei allen Schülern sicherzustellen. Auch damit lasse sich das mäßige Gesamtergebnis wohl ein Stück weit erklären, meint der Dortmunder TIMSS-Forscher Wilfried Bos.

Sozialer Hintergrund bedingt Bildungserfolg

Die seit Pisa 2000 beklagte enge Verbindung von sozialem Hintergrund und Bildungschancen bleibt leider bestehen. Die TIMSS-Experten hatten zur Erforschung nicht nur nach dem Berufs- oder Ausbildungsstand der Eltern gefragt, sondern auch nach der Anzahl von Büchern pro Haushalt. Demnach haben Schüler mit mehr als 100 Büchern daheim gut ein Lernjahr Leistungsvorsprung. In den meisten EU-Ländern sind die Nachteile von Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern geringer. Das Fazit der Forscher: "In Deutschland hat sich das Ausmaß sozial bedingter Leistungsdisparitäten seit TIMSS 2007 nicht signifikant verändert."

Was die Wissenschaftler raten

Die Schulforscher empfehlen der deutschen Bildungspolitik die gezielte Unterstützung für leistungsschwache und auch herausragende Schüler, eine bessere Lehrerbildung und spezielle Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund.

"Die Studie zeigt, dass wir sowohl am unteren als auch am oberen Ende des Leistungsspektrums ansetzen müssen", erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Claudia Bogedan (SPD). "Die Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland erreichen erneut ihr Kompetenzniveau von 2007, das im internationalen Vergleich im mittleren Bereich liegt." Dies gelinge trotz einer zunehmend heterogenen Schülerschaft, sagt Bogedan weiter. Immerhin: "Den Unterricht in Mathematik und in den Naturwissenschaften bewerten die Schülerinnen und Schüler positiv."

Was wurde in der Studie gefragt?

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