Schule Addiere: Mathelehrer

In den MINT-Fächern werden deutschlandweit Lehrer gebraucht.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)
  • Laut Chef des Philologenverbands fehlen in Deutschland derzeit 30 000 Lehrer.
  • Das Problem bezieht sich jedoch weder auf alle Fächer noch auf alle Schularten.
Von Johann Osel

Kurz vor Schulbeginn in Ländern mit späten Sommerferien wie Bayern warnt der Philologenverband vor einem gravierenden Lehrermangel. Nach Schätzungen des Verbands, in dem viele Pädagogen an Gymnasien organisiert sind, fehlen derzeit 30 000 Lehrkräfte in Deutschland. Besonders groß sei der Bedarf an zusätzlichen Lehrern in Mathematik, Physik und Chemie, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger, der auch Leiter eines niederbayerischen Gymnasiums ist, der Bild-Zeitung. Der Mangel verschärfe sich vor allem in Ostdeutschland, wo viele Kollegen vor der Pensionierung stünden. So hoch die Zahl 30 000 klingen mag, erkennt man in der Aussage schon, dass es keineswegs um einen pauschalen Lehrermangel geht.

Die Daten der Kultusministerkonferenz (KMK) zeigen vielmehr ein buntes Bild. In der "Lehrerbedarfsprognose" bis 2025, im Juni erschienen, wird ein bundesweiter Einstellungsbedarf von 25 000 Lehrern pro Jahr genannt; theoretisch wird dieser durch den Nachwuchs gedeckt, der von den Universitäten kommt. Wie auch von Meidinger erwähnt, gibt es jedoch in den neuen Ländern eine "Unterdeckung" von fast 30 Prozent im Jahr. Dort führten die wenigen Einstellungen nach den geburtenschwachen Jahrgängen Anfang der Neunzigerjahre zu einer Überalterung. Zudem rächt sich, dass im Osten nicht verbeamtet wird, auch wenn etwa Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zuletzt umgeschwenkt sind. Nachwuchs aus den heimischen Unis sucht oft lieber das Beamtenglück im Westen, als sich für weniger Geld anstellen zu lassen.

Die nervigsten Lehrer-Typen

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Als bundesweites Problem gilt den Ministern der Bereich Berufsschule. Abiturienten mit Ziel Lehramt interessieren sich nur sehr selten für diese Schulen - auch weil die Gymnasiasten aus ihrer Schulzeit den Zweig nicht kennen, ihnen die Option also gar nicht bewusst ist. Auch in der Sonderpädagogik sieht die KMK durchaus Lücken bei der Versorgung mit Nachwuchs.

In Grundschulen und für Schularten ohne Oberstufe gibt es laut KMK bundesweit Einstellungsbedarf in Mathe, Chemie, Physik, auch Englisch und Musik. Für die Gymnasien "besteht deutschlandweit in den nächsten Jahren durchgängig ein Überangebot". Dies bekommen zum Beispiel Referendare in Bayern zu spüren. Dort staute sich zuletzt Frust auf, weil es selbst für Absolventen mit Bestnoten kaum Stellen gab, vor allem in Sprachen und Gesellschaftsfächern. "Größere Bedarfe" erkennen die Minister an Deutschlands Gymnasien ebenfalls in Mathe, Informatik, Chemie und Physik, der sogenannte MINT-Bereich.

Die wachsende Lücke in diesen Fächern hat der Bildungsökonom Klaus Klemm im Auftrag der Telekom-Stiftung berechnet, am Beispiel Nordrhein-Westfalen. Allein in dem Land werde sich die Zahl der MINT-Lehrer bis 2025 halbieren - weil die Hälfte der aktiven Pädagogen 50 Jahre oder älter sind. Im Gegenzug gebe es zu wenig Uni-Absolventen. Setze sich der Trend fort, werde 2025 der Lehrerbedarf etwa in Physik nur zu einem Drittel gedeckt. Für viele naturwissenschaftlich-technisch versierte Abiturienten seien Berufe in der freien Wirtschaft attraktiver.

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