Rechtschreibung "Der/die/das Nutella"

Schafft in Rechtschreibfragen Abhilfe: der Duden.

(Foto: ag.dpa)

Was die Anrufer der Duden-Hotline so beschäftigt - trotz vieler Korrekturprogramme. Ein Gespräch mit einer Beratungs-Expertin.

Interview von Ulrike Nimz

"Anachronismus" ist kein einfaches Wort. Wer wissen will, wie man es schreibt, kann die Duden-Sprachberatung anrufen, statt wild herumzugoogeln. Deren Leiterin Kathrin Kunkel-Razum über die deutsche Rechtschreibung im Internetzeitalter und warum wir so oft an ihr verzweifeln.

SZ: Die Duden-Redaktion hat eine lange Liste "schwieriger Wörter" erstellt. Sie beginnt mit "asozial" und endet mit "zuwider". Ist Deutsch trotzdem eine schöne Sprache?

Kathrin Kunkel-Razum: Auf jeden Fall. Nehmen Sie ein Wort wie "fluffig", das erst seit 2006 im Duden steht. Es ist vom englischen "fluffy" abgeleitet, was mit flauschig oder flockig übersetzt werden kann, aber eben nicht ganz dasselbe ist. Durch das Eindeutschen erhalten wir ein treffenderes, funktionsfähiges Adjektiv.

Sie sind seit 2013 Leiterin der telefonischen Duden-Sprachberatung. Wie muss man sich die Arbeit vorstellen?

Insgesamt arbeiten acht Kollegen in einer Art Callcenter. Wer Fragen zur Schreibweise, Aussprache, Funktion des Deutschen hat, ruft an. Wir haben alle wichtigen Duden-Werke auf dem PC und im Kopf und antworten sehr schnell. Bei komplizierten Fragen recherchieren wir auch.

Was wäre eine komplizierte Frage?

Die Gleichstellung der Geschlechter in der Sprache ist ein großes Thema. Gerade gestern kam die Frage rein, warum wir das Wort "Versicherungsträger" auch in der weiblichen Form listen. Antwort: Eine Angleichung ist üblich, wenn das Bezugswort weiblich ist. Zum Beispiel: "Die Ergo-Versicherung als Versicherungsträgerin ist in der Pflicht".

Wie heißt es im Plural?

Der Kellner kommt, das Gegenüber hätte ebenso wie man selbst gern einen schnellen starken Kaffee zum Dessert. Doch wie heißt es nun gleich: Espressos, Espressis? Testen Sie Ihr Wissen! mehr ... Quiz

Wie viele solche Anrufe bekommen Sie täglich?

80 bis 100 - früher waren es mehr. Gesprächsdauer im Schnitt: zwei Minuten.

Das wären dann vier Euro.

Wir berechnen 1,99 pro Minute. Oft rufen Sekretärinnen an oder Marketingexperten. Auch Mitarbeiter von Quizshows sind darunter. "Wer wird Millionär?" greift gern auf unsere Werke zurück. Neulich stellten sie die Frage: "Was ist das häufigste Substantiv im Deutschen?"

Und?

"Und" ist es nicht, sondern "Jahr". Bei den Adjektiven ist es "neu", bei den Verben "werden". "Das neue Jahr soll schön werden" ist also ein sehr deutscher Satz.