Prokrastinierende Studenten Aufschieber im Fokus

Schlechtes Zeitmanagement oder Prokrastination? Immer wieder schaffen es Studenten nicht, ihre Aufgaben in einer vorgegebenen Zeitspanne zu erledigen. Mitunter führt das sogar zum Abbruch des Studiums. Experten wollen den Aufschiebern nun helfen.

Von Daniel Lenski

Das Sparschwein muss an diesem Tag gefüttert werden. Die Studentin erhebt sich von ihrem Platz, zieht eine Euro-Münze hervor und geht langsam zum schwarzen Porzellanferkel, für das ein eigener Stuhl im Halbkreis reserviert ist. Als die Münze im Bauch des Schweines klingt, schauen einige der Anwesenden betreten auf den Boden.

Es ist ein Mittwochvormittag an der Universität Bielefeld. In einem Raum der Zentralen Studienberatung trifft sich die Gruppe "Lost in Procrastination". Alle zwei Wochen kommen sie zusammen, ein Dutzend Teilnehmer aus allen Semestern. Ihr gemeinsames Problem: Sie schaffen es nicht, die anfallenden Uni-Aufgaben in der vorgesehenen Zeit zu erledigen. Sie schieben auf, meist ziemlich häufig.

"Das Problem des Aufschiebens kennt jeder", sagt Studienberaterin Carmen Kropat. "Nur ab einem bestimmten Punkt wird das problematisch. Gemeinsam mit den Studenten versuchen wir, die Hintergründe für ein solches verzögerndes Verhalten ausfindig zu machen."

Nach der Analyse setzt sich jedes Mitglied der Gruppe ein erreichbares Teilziel. Dessen Erfüllung wird bei der nächsten Sitzung kontrolliert. Wer es nicht eingehalten hat, muss das Sparschwein füttern, vor aller Augen. Mit 50 Cent, manchmal auch mit einem Euro. "Der Betrag spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es darum, miteinander sinnvolle Ziele zu vereinbaren, deren Erfüllung in der Gruppe kontrolliert wird", erklärt Kropat.

Zeitplanung Sind Sie ein Aufschieber?

"Prokrastination" heißt das Modewort, das landläufig gern mit Aufschieberitis übersetzt wird. Doch nicht jedes Aufschieben sei zugleich Prokrastination, sagt Carola Grunschel. Die Psychologin promoviert zum Thema und beschwert sich über die inflationäre Verwendung des Begriffes in den Medien. "Wer häufig den Wohnungsputz verschiebt, weil er eben noch andere Dinge zu tun hat, leidet noch lange nicht an Prokrastination."

Auch strategisches Aufschieben sei davon zu unterscheiden: "Wenn das wichtige Buch aus der Fernleihe noch nicht da ist und es sich eigentlich nicht lohnt, mit der Arbeit zu beginnen, kann solches Aufschieben am Ende gar den Erfolg steigern." Anders sei es, wenn man bereits die Literatur gelesen habe, der Schreibtisch aufgeräumt sei und Zeit zur Verfügung stehe. "Wenn ich es dann entgegen aller Rationalität doch nicht schaffe, mit meiner Arbeit anzufangen, dann kann man von Prokrastination sprechen."