Privatschulen Warum der Klassenkampf keiner mehr ist

Privatschulen sind doch nur für Bonzen - so denken nicht nur viele Eltern. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Warum es höchste Zeit ist, all die Vorurteile über solche Schulen über Bord zu werfen.

Von Alex Rühle

Privatschulen. Hör mir auf! Der momentane Boom zeigt doch nur wieder, dass die Gesellschaft immer kälter wird. Dass sich die Reichen in ihre schmiedeeisernen Ghettos zurückziehen. Und dass nun mit der Bildung auch noch das allerletzte Refugium den Zwängen der neoliberalen Profitmaximierung unterworfen wird. Pfui Spinne, weg mit diesen asozialen Abc-AGs.

Das Internat Louisenlund bei Güby in Schleswig-Holstein gilt als eine der besten Privatschulen in Deutschland.

(Foto: dpa)

Privatschulen. Hurra! Der Hort der pädagogischen Freiheit! Bessere Welt. Klügere Schüler. Lebensfreundschaften. Soziale Kompetenzen en masse. Rettung vor dem Pisa-Elend. Einzig adäquate Antwort auf all die komplexen Anforderungen, denen junge Menschen heute gegenüberstehen.

Gibt es ein ideologisch aufgeladeneres Thema als Privatschulen? Wohl kaum. Auf der einen Seite geben immer mehr Eltern in Umfragen an, sie überlegten, ihre Kinder auf eine Privatschule zu schicken. Auf der anderen Seite haben die, die ihr Kind auf solch eine Schule geben, im Reden oft schon rhetorische Entschuldigungsschleifen eingebaut: Bei uns gibt's auch ganz normale Schüler, Ehrenwort, sogar ein Türke ist dabei. - Wahrscheinlich weil Privatschule für viele immer noch automatisch Bonzenanstalt bedeutet. Was für ein Unsinn.

Natürlich, es gibt sie, die "Schulen mit Beverly-Hills-Charakter, abgeschottet von der übrigen Bevölkerung", wie Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zornschnaubend konstatierte. Das Lyceum Alpinum im Schweizer Zuoz nimmt für das Schuljahr 70.000 Schweizer Franken; wer ein Einzelzimmer für seinen Sprössling will, zahlt selbstverständlich mehr. Hierzulande machten die kommerziell orientierten Phorms-Schulen in den letzten Jahren derart Furore, dass man den Eindruck gewinnen konnte, sie seien eine Art Goldman Sachs des Bildungswesens, skrupellos, übermächtig, asozial.