Plagiatsvorwürfe gegen Norbert Lammert Erst mal prüfen

Gegen die Doktorarbeit von Bundestagspräsident Norbert Lammert wurden Plagiatsvorwürfe erhoben.

(Foto: Stephanie Pilick/dpa)

Bundestagspräsident Lammert sind in seiner Dissertation offensichtlich Fehler unterlaufen. Das bedeutet aber nicht, dass er auch abgeschrieben hat. Bis zur sorgfältigen Überprüfung ist also Zurückhaltung geboten - so wie es auch die Opposition demonstriert.

Ein Kommentar von Roland Preuß

Durchaus erstaunlich ist das: Da wird einer der bekanntesten CDU-Politiker, Bundestagspräsident Norbert Lammert, mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert - und die Opposition ruft nach Zurückhaltung. SPD, Grüne und sogar die besonders angriffslustige Linkspartei fordern erst mal eine seriöse Prüfung, ehe sie zum Angriff übergehen. Und das kurz vor der Bundestagswahl. Bravo, kann man da nur sagen.

Die leisen Töne vom politischen Gegner sind nicht nur ein Zeichen der Reife im Umgang mit Plagiatsvorwürfen, nach fast zweieinhalb Jahren Debatten über wissenschaftliche Abschreiberei unter Politikern. Die Zurückhaltung ist auch in der Sache geboten.

Noch lässt sich nicht seriös sagen, ob Lammert einst eine plagiierte Doktorarbeit vorgelegt hat - dazu sind die Hinweise aus dem Internet nicht ausreichend. Und auch Plagiatesucher können irren.

Die Überprüfung der Vorwürfe ist mühsam, 37 Jahre nach Erscheinen der Dissertation. Klar ist nur, dass die Arbeit Fehler enthält, zum Beispiel bei der Übernahme von Fußnoten. Aber solche Fehler bedeuten noch lange nicht, dass der Doktorand abgeschrieben hatte.

Lammert ist nichts anderes übrig geblieben, als seine Universität daheim in Bochum schnellstmöglich um Prüfung zu bitten. Dies ist richtig und wichtig. Denn die bisherigen Mängel rechtfertigen allemal, sich die 116 Seiten noch einmal genauer anzusehen.