Plagiatsskandale Unis sehnen sich nach dem stillen Kämmerlein

Die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit hat ihn das Amt als Verteidigungsminister gekostet. Wäre die Causa Guttenberg anders ausgegangen, wenn er selbst an die Öffentlichkeit hätte gehen können?

(Foto: dapd)

Plagiatsentdecker könnten bald selbst als Täter dastehen, wenn sie nicht aufpassen. Denn die Hochschulen wollen Vorwürfe künftig unter Ausschluss der Öffentlichkeit prüfen. Doch dagegen regt sich Widerstand - Kritiker befürchten "Vertuschung".

Von Roland Preuß

Wie die Fälle Schavan oder Guttenberg wohl verlaufen wären, wenn es damals schon die neuen Leitlinien gegeben hätte? Im Nachhinein lässt sich darüber bunt spekulieren, ob ein stilles Verfahren in vertraulichen Fakultätsrunden der Bundesbildungsministerin und ihrem Kabinettskollegen vom Verteidigungsressort das Amt gerettet hätte.

Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg hätten sich jedenfalls besser vorbereiten können: auf die öffentlichen Vorwürfe oder den Titelentzug. Sie hätten selbst als Erste an die Öffentlichkeit gehen und sich als große Büßer zeigen können. Wenn sich alle Beteiligten an die neuen Leitlinien der Hochschulrektoren gehalten hätten.

Deren Konferenz (HRK) hat kürzlich Empfehlungen beschlossen, die ein nicht-öffentliches Verfahren fordern. Verstöße gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis wie Datenfälschung oder eben Plagiate sollen demnach von Ombudspersonen an den Universitäten geprüft werden - und zwar ohne öffentliche Debatte. Diese "Vertraulichkeit" sei jedoch nicht gegeben, "wenn sich der Hinweisgeber mit seinem Verdacht an die Öffentlichkeit wendet. In diesem Fall verstößt er regelmäßig selbst gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis", heißt es in dem Beschluss.

Erst kam der öffentliche Vorwurf, dann prüfte die Uni

Genau so lief es in den Fällen Schavan und Guttenberg - erst kam der öffentliche Vorwurf, dann prüfte die Hochschule. Die HRK-Empfehlungen wollen dies nun ächten, der Plagiatsentdecker kann vielmehr selbst als Täter dastehen, wenn er seinen Fund publik macht.

Die Konferenz der Hochschulrektoren, die sich immerhin als Stimme der Universitäten und Fachhochschulen versteht, befeuert damit die Debatte über Konsequenzen aus den jüngsten Plagiatsskandalen. Es geht um die Frage, wie transparent die heiklen Prüfverfahren ablaufen dürfen.

Informationslecks hatten der Universität Düsseldorf im Fall Schavan scharfe Kritik eingebracht, das Verfahren wirkte mitunter getrieben von Netzaktivisten und immer neuen Details, die öffentlich wurden. Schavan werde vorverurteilt, beklagten ihre Unterstützer. Allein durch die Vorwürfe war die Ministerin bereits beschädigt.

Aber ist dies ein Grund, die Öffentlichkeit draußen zu halten? Und wären die Verfahren ohne allgemeines Interesse so engagiert und - bei Guttenberg - so schnell abgelaufen? Wohl kaum.