Plagiatsfall Schavan Warum der Titelentzug nicht richtig ist

Die Causa Schavan ist ein Grenzfall, das zeigt schon die lange Prüfung durch die Universität. Das Fehlverhalten der heutigen Ministerin liegt mehr als 30 Jahre zurück. All das hätte man berücksichtigen, die Zitierfehler rügen - und es dabei belassen können.

Ein Kommentar von Roland Preuß

Historiker können dem zweiten Kabinett Merkel seit Dienstagabend ein neues Etikett verpassen: Es war die Runde der Abschreiber.

Mit Guttenberg und Schavan kommt die Regierung auf eine Plagiatorenquote von 12,5 Prozent. Das ist fast so viel wie der Anteil der fehlerhaften Seiten in Schavans Doktorarbeit.

Ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl beschädigt das die Glaubwürdigkeit der schwarz-gelben Koalition und die bürgerlichen Tugenden, die sie hochhält: Leistungsbereitschaft und Rechtstreue. Plagiatoren missachten beides.

Die Philosophische Fakultät in Düsseldorf hat der Bundesbildungsministerin in kühler Strenge den Doktortitel aberkannt. Das Gremium hätte sich durchaus anders entscheiden können, doch am Ende war das Votum klar: Schavan habe absichtlich plagiiert.

Deshalb der Titelentzug und damit die akademische Höchststrafe für Frau Professor Schavan. Nun hat die Bundesbildungsministerin nicht einmal mehr einen akademischen Abschluss, denn sie hatte ihr Studium per Promotion beendet.

Die Entscheidung ist juristisch vertretbar, dennoch ist sie nicht richtig. Zum einen war die Causa Schavan ein Grenzfall, das zeigt schon die lange Prüfung durch die Universität. Und das zeigt der Streit, den die Vorwürfe unter Wissenschaftlern entfacht haben. Zum Zweiten lag das Fehlverhalten der jungen Annette Schavan mehr als 30 Jahre zurück. All das hätte man berücksichtigen, die Zitierfehler rügen - und es dabei belassen können.

Die Entscheidung gegen Schavan setzt strenge Maßstäbe, auch bei der Prüfung von Dissertationen, die in den Bibliotheken längst vor sich hingilben. Man darf gespannt sein, wie viele Titel diesen Maßstäben noch zum Opfer fallen werden.