Plagiate Wie Professoren in Korea jahrzehntelang betrogen haben

  • Ein umfangreicher Fall von Wissenschaftsbetrug beschäftigt die Universitäten in Korea.
  • Jahrzehntelang sollen Professoren Werke von Kollegen unter eigenem Namen veröffentlicht haben - mit Unterstützung der Verlage.
  • Dutzende Beteiligte müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Auf 27 des 62 Seiten umfassenden Hauptteils der Dissertation von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sollen sich Plagiate befinden. Das vermuten die Plagiatejäger der Internetseite Vroniplag. Die Verfasserin sieht das anders, deshalb prüft die Medizinische Hochschule Hannover seit Ende September diesen Jahres, ob von der Leyen ihren Doktortitel behalten darf.

Immerhin: Die Ministerin darf noch hoffen, dass es für sie am Ende glimpflich ausgeht. In Korea erregt ein Fall Aufsehen, bei dem sich 179 Professoren von 110 koreanischen Universitäten längst nicht mehr an diese Hoffnung zu klammern brauchen. Denn sie haben ganz eindeutig betrogen. Der Fall, über den die Neue Zürcher Zeitung berichtet, zeigt ein Lügengeflecht, in dem Plagiierte, Plagiatoren und Verlage jahrzehntelang einhellig zusammengearbeitet haben.

Von Schavan bis Koch-Mehrin

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Unter dem Titel "Auswechseln der Umschlagseite" sei die Affäre in Korea bekannt, schreibt die NZZ. Akademiker haben offenbar Bücher von Kollegen eins zu eins übernommen und nur den Namen auf dem Titel geändert. Im Fokus stehen demnach 38 Bücher aus dem naturwissenschaftlich-technologischen Bereich, die sich vorwiegend an Studienanfänger richten.

Wie das System funktionierte

Das Vorgehen der Beteiligten scheint immer ähnlich gewesen zu sein: Ein Professor veröffentlicht das Werk eines Kollegen, mit dessen Einverständnis, als eigenes Buch. Der eigentliche Verfasser bekommt ein Honorar vom Verlag, dieser wiederum kann seine Verkaufszahlen steigern. Dass in Korea Professoren im Rang nur aufsteigen können, wenn sie regelmäßig wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlichen, dürfte dem System Vorschub geleistet haben.

Funktioniert hat diese Variante des Abschreibens laut NZZ aus zwei Gründen: Erstens wurden die Bücher nur in kleinen Buchhandlungen um die Universität des jeweiligen Professors vertrieben. Zweitens handelt es sich um naturwissenschaftlich-technische Fachliteratur, von der eine breite Öffentlichkeit kaum Notiz nimmt.

Was die Beteiligten erwartet

Ein Teil der Professoren und Verlagsmitarbeiter, die auf diese Weise lange Zeit betrogen haben, wird sich nun vor Gericht verantworten müssen. Die meisten Akademiker werden wohl mit einer Geldstrafe davon kommen. Allerdings stehen ihnen zusätzlich Disziplinarverfahren an ihren Hochschulen bevor - die viele Professoren ihren Job kosten dürften.

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