Pisa-Studie Deutsche Schüler besser als der OECD-Durchschnitt

Von Pisa-Schock keine Spur mehr: Deutschland holt im internationalen Bildungsranking der OECD weiter auf. Besonders die Leistungen von schwächeren Schülern haben sich verbessert - doch manches Ergebnis gibt auch Anlass zur Sorge.

Von Johanna Bruckner

Der Pisa-Schock Anfang dieses Jahrtausends kam in der nationalen Wahrnehmung einem Ausscheiden in der Vorrunde bei einer Fußballweltmeisterschaft gleich. Platz 20 in Mathematik und den Naturwissenschaften, Rang 21 bei der Lesekompetenz - das Land der Dichter, Denker und weltweit gefragter Ingenieure war nicht mal schnödes Mittelmaß. Die stolze Bildungsrepublik lag darnieder. Und heute?

Das sind die Pisa-Aufgaben

Mit Giga- und Megabyte umgehen, Prozentrechnen und das Wachstum einer Pinguin-Kolonie prognostizieren: Mehr als 500.000 Schüler mussten im vergangenen Jahr ihre mathematischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Hätten Sie die Fragen der OECD beantworten können? mehr ...

Dreizehn Jahre später veröffentlicht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Ergebnisse, die Rankinggläubige so interpretieren könnten: Wir sind zumindest wieder auf dem Weg, wer zu sein. Im fünften Turnus des "Programme for International Student Assessment" (Pisa), mit Fokus auf Mathematik und den Naturwissenschaften, liegt Deutschland erstmals in allen getesteten Bereichen über dem OECD-Durchschnitt.

  • Mathe: 514 (OECD- Durchschnitt: 494)
  • Naturwissenschaften: 524 (OECD- Durchschnitt: 501)
  • Lesekompetenz: 508 (OECD- Durchschnitt: 496)

Das ist eine klare Verbesserung im Vergleich zum Pisa-Test im Jahr 2000. Damals lautete das vernichtende Ergebnis: überall unterdurchschnittlich. Seitdem haben die 16 Kultusminister nicht nur zahlreiche Schulreformen auf den Weg gebracht, unter anderem einheitliche Bildungsstandards in den Ländern. Die Vermessung der Schüler ist auch zum Standard geworden. So prüft beispielsweise das eigens nach dem Pisa-Schock gegründete Institut zur Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB) regelmäßig, wie es um die Leistungen von Jungen und Mädchen bestellt ist.

Ostasien ist top

Der jüngste Pisa-Test, an dem im vergangenen Jahr mehr als 500.000 Schüler (zwischen 15 und 16 Jahren) aus 65 Nationen teilnahmen, wird der hiesigen Bildungspolitik nun wohl als Beleg für den Erfolg ihrer Maßnahmen gelten. Schließlich hat Deutschland den Anschluss an die Test-Elite geschafft.

Wobei die regional dominiert ist: "Südostasiatische Länder sind die klaren Spitzenreiter bei Pisa 2012. Unter den Top-Ten bei Mathematik finden sich sieben Länder und Gebiete aus Asien", heißt es in der Pressemitteilung der OECD. Ganz vorne konnte sich über alle Bereiche hinweg - und teilweise mit einem Leistungsvorsprung von drei Jahren gegenüber dem OECD-Durchschnitt - die chinesische Millionenmetropole Shanghai platzieren. Beste europäische Länder im Pisa-Test waren Liechtenstein und die Schweiz.

Auch Deutschland wird von den Pisa-Verantwortlichen eigens erwähnt: Demnach ist die Bundesrepublik neben der Türkei und Mexiko das einzige Land, das es seit der letzten Schwerpunktstudie Mathematik 2003 geschafft hat, sowohl seine Fachergebnisse zu verbessern, als auch die Chancengleichheit zu erhöhen. "Vor allem leistungsschwache und sozial benachteiligte Schüler schnitten 2012 um einiges besser ab als noch 2003", so die Herausgeber. Gleiches gilt für die Naturwissenschaften und bei der Lesekompetenz.