Pisa 2015 Computer statt Papier

Wie gut lernen Schüler in Deutschland im Vergleich zu Jugendlichen in anderen Staaten?

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Für die aktuelle Pisa-Studie haben erstmals Probanden die Aufgaben am Computer gelöst und nicht auf Papier.
  • Allerdings konnten die Aufgaben nur in 58 der 73 Teilnehmerländer digital gestellt werden.
  • Daher und wegen der Umstellung im Allgemeinen bezweifeln Forscher, dass die Ergebnisse mit vorangegangenen Pisa-Studien vergleichbar sind.
Von Marcel Grzanna

Die Ergebnisse der jüngsten internationalen Schülervergleichsstudie Pisa, die an diesem Dienstag vorgestellt werden, basieren erstmals auf einer digitalen Erhebung. Dass die Schüler die Aufgaben nicht mehr auf Papier gelöst haben, sondern am Computer, gibt den Forschern die Möglichkeit, Zusatzinformationen zu sammeln. Zum Beispiel darüber, wie lange die 15-Jährigen brauchen, um einzelne Aufgaben zu bewältigen. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob die aktuelle Pisa-Studie mit den früheren überhaupt noch vergleichbar ist.

Die Daten für die neue Untersuchung stammen aus dem Jahr 2015. Schülern aus 73 Staaten wurden dieselben Aufgaben aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz gestellt. Aus Deutschland nahmen rund 6500 Jungen und Mädchen an 260 Schulen teil. Die Digitalisierung soll Pisa näher an die Lebenswirklichkeit der Schüler führen. In dieser ersetzen Smartphones oder Tablets zunehmend Zeitungen und Bücher und verändern die Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen. Wichtige Prüfungen in der Schule finden aber immer noch auf Papier statt. Die für Pisa zuständige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD will das von jetzt an anders machen.

"Dieses Ranglistensystem halte ich für absurd"

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"Durch das neue Verfahren wird der Test authentischer und dynamischer. Wir wollen Kompetenzbereiche erfassen, die man nur sehr schwer mit handschriftlichen Verfahren erreichen kann", sagt Andreas Schleicher, Chef der OECD-Direktion Bildung und Kompetenz in Paris. Ein Teil der Aufgaben stützt sich jetzt auf die Interaktion der Schüler mit der Software, besonders im Bereich Naturwissenschaften. Die Jugendlichen konnten bei manchen Aufgaben verschiedene Varianten ausprobieren und bekamen vom System eine Reaktion auf ihre Versuche. Daraus konnten sie neue Schlüsse ziehen, um schließlich ihre Antworten zu formulieren.

Durch die Interaktion mit der Software können die Forscher die Schüler auf ihrem Lösungsweg begleiten und besser verstehen, was in deren Köpfen vorgeht. Neu ist auch, dass Fragen nicht mehr zurückgestellt werden können. Das System fordert eine sofortige Bearbeitung und registriert, wie lange ein Schüler an einer Aufgabe tüftelt. Jeder Mausklick wird gespeichert.

Im Vorfeld der Studie wurde wie üblich überprüft, ob die Fragen in unterschiedlichen Kultur- und Sprachräumen gleichermaßen verständlich sind. Außerdem wollten die Organisatoren wissen, ob Schüler in manchen Ländern durch die Digitalisierung einen signifikanten Nachteil haben.

In manchen Staaten wurde weiterhin auf Papier gearbeitet

Es stellte sich heraus, dass die Kinder in manchen Ländern schneller unkonzentriert wurden, weil Computer und Bildschirme veraltet waren. Nachteile hatten auch Schüler aus Ländern, in denen Jugendliche es nicht gewohnt sind, am Computer zu arbeiten, und deshalb mehr Mühe haben, digitale Texte zu lesen und zu verstehen. Mancherorts kam es auch vor, dass die Internetleitung zusammenbrach oder der Strom ausfiel. Um eine Verzerrung der Resultate wegen äußerer Faktoren zu vermeiden, wurden die Aufgaben nur in 58 der 73 Teilnehmerländer digital gestellt. In den anderen Staaten lösten die Schüler die Aufgaben weiterhin auf Papier.

Experten warnen davor, die neue Rangliste mit der aus dem Jahr 2012 direkt zu vergleichen und aus möglichen Verbesserungen oder Verschlechterungen bei der Platzierung vorschnell Schlussfolgerungen zu ziehen. "Wir müssen nicht alles, was vorher war, auf den Müll werfen. Aber wir können nicht sicher sein, was das neue Medium bewirkt", sagt Kristina Reiss von der Technischen Universität München. Reiss leitet das Zentrum für Internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB), das in Deutschland für die Durchführung von Pisa zuständig ist. Der Anschluss an die Ergebnisse aus dem Jahr 2012 könne nicht reibungslos funktionieren, weil eine neue Form des Arbeitens hinzugefügt worden sei.

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