Open Access London plant freien Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln

Die britische Regierung will bis 2014 dafür sorgen, dass Forschungsergebnisse, die mit öffentlichem Geld finanziert wurden, kostenlos im Internet veröffentlicht werden. Der Plan von Wissenschaftsminister David Willets löst unter Forschern nicht nur Begeisterung aus.

Die britische Regierung hat offenbar vor, wissenschaftliche Arbeiten, die mit Steuergeldern finanziert wurden, im Internet zu veröffentlichen. Und zwar so, dass jeder sie lesen kann, ohne dafür zu bezahlen.

Bis 2014, so berichtet die britische Zeitung Guardian, sollen entsprechende Studien für Universitäten, Unternehmen und auch für alle Bürgerinnen und Bürger einsehbar sein. Und die enthaltenen Informationen sollen der Zeitung zufolge "zu jedem Zweck, überall in der Welt, genutzt werden" dürfen.

Die Ankündigung stammt von niemand geringerem als dem Staatsminister für Universitäten und Wissenschaft, David Willetts von den Konservativen. Die Regierung in London reagiert damit auf die inzwischen massiven Proteste von Wissenschaftlern dagegen, dass ihre Erkenntnisse von Verlagen vermarktet und der Öffentlichkeit teilweise vorenthalten werden.

Wenn die Steuerzahler die Forschung mit ihrem Geld möglich gemacht hätten, zitiert das Blatt den Minister, sollte die Arbeit nicht kostenpflichtig sein, bevor ein britischer Bürger sie lesen konnte.

Wer derzeit wissen möchte, was bei der von Staaten und Ländern finanzierten Forschung herauskommt, ist in der Regel gezwungen, dafür zu bezahlen. Zwar sind viele Journals an Universitäten und großen Bibliotheken einsehbar. Doch dafür müssen diese Institutionen Steuergelder investieren. Und viele Medien leisten zwar einen Beitrag, um Wissen zu verbreiten. Doch auch sie müssen für den Zugang zu die Forschungsergebnisse bezahlen, nehmen selbst häufig Geld vom Leser und müssen die Auswahl an Informationen stark einschränken.

Seit Jahren fordern deshalb Forscher und Experten einen freien Zugang zu allen Studien, die mit Hile der Steuerzahler finanziert wurden. Open Access lautet das Schlagwort, freier Zugang. Es gibt bereits mehrere tausend Open-Access-Fachzeitschriften, die nur "Peer-Reviewed"-Artikel veröffentlichen, also Paper, die von anderen Experten kontrolliert wurden. Eines der bekanntesten ist PLoS One und seine Verwandten wie PLoS Biology. In Deutschland veröffentlicht etwa die Max-Planck-Gesellschaft renommierte Journals wie Living Reviews in Relativity frei zugänglich.

Für solche Journals müssen die Wissenschaftler selbst bezahlen, damit ihre Artikel geprüft und im Internet kostenlos veröffentlicht werden.

Der Konkflikt zwischen den Forschern und den großen Verlagen hat sich in letzter Zeit zugespitzt. So boykottieren mehr als 12.000 Wissenschaftler aus aller Welt Elsevier, einen der größten Verleger von Fachmagazinen. Auch in Deutschland hat die Open-Access-Idee für den Wissenschaftsbereich großen Rückhalt. So sprach sich im Juni die Enquete-Kommission des Bundestags "Inernet und digitale Gesellschaft" dafür aus, das Prinzip in "der Forschungsförderungspolitik und der Hochschullandschaft auch durch die gemeinsame Entwicklung einer nachhaltigen Open-Access-Strategie" voranzutreiben.

Freier Zugang in Gold oder Grün

In Großbritannien sind die Pläne dem Guardian zufolge eine Reaktion auf einen Bericht einer Arbeitsgruppe der Manchester University. Der Report von Dame Janet Finch zu den Vor- und Nachteilen von Open Access spricht sich deutlich für diese Strategie aus.

Die Regierung werde insbesondere auf den sogenannten "Gold Open Access" setzen, erklärte Willetts. Dabei sollen Fachjournale Geld erhalten, das aus dem Forschungsbudget stammen. Dafür können dann die Kosten für die Abonnements gespart werden.

Willets zufolge wird es deutliche positive ökonomische Auswirkungen haben, wenn "qualitativ hochwertige Forschung, die öffentlich finanziert wurde, für alle Akademiker, Forscher, für die Wirtschaft und die Bürger zur Verfügung steht". Dies werde einen massiven Nutzen weit über das Budget für die Forschung hinaus haben. Er hoffe, so Willets, dass die Strategie sich auch in der Europäischen Union durchsetzen wird. In den USA wird immerhin schon die Forschung des National Instituts of Health zur freien Verfügung gestellt.

Kritik äußerte Stevan Harnad von der Southampton University. Nicht "Gold Open Access" sei der richtige Weg, sondern "Green Open Access". Hier sorgen die Forscher selbst dafür, dass ihre Artikel geprüft und frei verfügbar ins Internet gestellt werden. Die Strategie der Regierung täusche nur vor, Open Access zu unterstützen, sagte Harnad dem Guardian. "In Wahrheit nützen ihre Pläne den Verlagen mehr als der Forschung in Großbritannien." Schließlich empfehle die Regierung, Teile der spärlichen Forschungsgelder an die Verlage zu zahlen. Dann aber werde man die bisherige Führung im Bereich Open Access und eine Menge öffentliches Geld verlieren. "Und der weltweite Open Access wird weltweit um zehn Jahre zurückgeworfen."