Konkurrenzkampf um Gelder und Studenten "Universitäten müssen sich dem Wettbewerb stellen"

Auch altehrwürdige Hochschulen brauchen Veränderungen. Karl-Dieter Grüske hat die Universität Erlangen-Nürnberg radikal umgebaut - zu ihrem Vorteil. Ein Gespräch mit dem Präsidenten der Hochschule über Studiengebühren, den wissenschaftlichen Wettbewerb und die Anspruchshaltung der Studenten.

Von Martina Scherf

Karl-Dieter Grüske, 65, ist seit 2002 Präsident der zweitgrößten bayerischen Universität, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, und seit 2008 Vizepräsident der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz. Anfangs war er umstritten, weil er die ehrwürdige Universität radikal veränderte. Inzwischen werden seine Erfolge anerkannt. Bei seiner dritten Wahl gab es nur noch eine Gegenstimme. Der Ökonom und ambitionierte Sportler Grüske ist in Erlangen geboren, hat in München studiert, in Erlangen promoviert und habilitiert. Diese Heimatverbundenheit hat ihm ein breites Netzwerk in der Region verschafft. Im Dezember gab es Wirbel um eine spontane Rücktrittsforderung, die einige Studenten an Grüske richteten. Der Sprecherrat hat sich allerdings davon distanziert und den Rektor zur nächsten Sitzung des Konvents eingeladen. Ein Gespräch über Studiengebühren, den wissenschaftlichen Wettbewerb und die Anspruchshaltung der Studenten.

Wie sehr Studenten ihr Fach lieben - oder auch nicht

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Herr Grüske, der Doppeljahrgang ist abgefertigt, die Studentenzahlen bleiben aber hoch. Sie bieten auch in diesem Sommersemester wieder den Einstieg in mehr als 90 Studiengänge an. Wie bewältigt die Uni Erlangen-Nürnberg die Massen?

Wir haben unser Ziel von 4000 zusätzlichen Studienplätzen im vergangenen Jahr geschafft - und dabei nicht einmal die Betreuungsrelation verschlechtert, ja, punktuell sogar verbessert. Da helfen auch die Studienbeiträge, mit denen wir Veranstaltungen entzerren konnten. Bei einigen Grundveranstaltungen gab es anfangs Probleme, wir haben deshalb zum Beispiel die Stadthalle für Vorlesungen angemietet. Der Professor ist dadurch leider noch weiter weggerückt. Aber das E-Learning schafft auch neue Flexibilität. Das ist ein positiver Nebeneffekt. Dadurch können zum Beispiel auch Studierende mit Kindern oder Menschen, die durch Krankheit einige Zeit pausieren mussten, Schritt halten. Insgesamt läuft es erstaunlich ruhig.

Es gab zum Jahresende einigen Wirbel an Ihrer Uni. Studenten sagten: Wir zahlen brav unsere Studiengebühren, und trotzdem regnet es durchs Dach.

Das ist verständlich. Oft hört man auch: Ihr macht hier ein Exzellenzprogramm nach dem anderen, und wir sitzen auf kaputten Stühlen. Aber so einfach ist es eben nicht. Wir dürfen Mittel aus der Exzellenzinitiative oder durch Studienbeiträge ja nicht für den Bauunterhalt ausgeben. Und wer neu in ein Seminar kommt und mit 30 Studierenden im Raum sitzt, der weiß ja nicht, dass ohne Studiengebühren vielleicht 90 drin sitzen würden. Wir haben deshalb auch Buttons auf Geräte und Bücher geklebt: "Aus Studienbeiträgen finanziert". Aber die Anspruchshaltung ist halt auch groß: für die 83 Euro im Monat, die man zahlt, will mancher 1000 Euro Gegenleistung. Wir diskutieren mit den Studierendenvertretern über jeden Euro, den wir ausgeben. Leider ist die Frage, was Grundausstattung ist und was zur Verbesserung der Studienbedingungen dient, im Gesetz nicht klar geregelt.

Auch das neue schlichte FAU-Logo hat die Studenten erregt. Offenbar haben sie mehr Traditionsbewusstsein, als man vermutet.

Wir haben vielleicht nicht klar genug vermittelt, dass wir das moderne Logo mit dem traditionellen Siegel der Universität eng verbinden wollen. Aber hätten Sie die Studierenden vorher gefragt: Wie schaut unser Siegel aus? Kaum einer hätte es gewusst. Die Fakultäten, die jetzt jeweils eine eigene Farbe erhielten, haben das Logo alle schnell übernommen. Dennoch ist es immer wieder erstaunlich, wie schwierig sich manche Veränderungen gestalten. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin mit meinen 65 Jahren reformfreudiger als meine Studenten.

Sie stehen in der Mitte Ihrer dritten Amtszeit. Sie haben die Universität fundamental verändert, gegen heftige Widerstände. Aus elf Fakultäten fünf gemacht, Schwerpunkte in Medizin und Technik gesetzt. Und der Umbau geht weiter. Zur Zeit fließt sehr viel Geld in die Energieforschung, weil es da Förderung gibt. Wird das die Universität weiter verändern?

Zunächst ist es nur eine neue Schwerpunktsetzung. Zum Beispiel bekommen wir 50 Millionen für den Energiecampus Nürnberg. Das klingt viel. Aber ein erheblicher Teil geht für die angemieteten Räume und die Infrastruktur weg. Und was passiert nach den fünf Jahren Förderung? Miete und Personal müssen wir ja weiter bezahlen. Wir richten neue Professuren ein, die wir nicht einfach wieder aufgeben können. Insofern kommt es langfristig doch zu einer Neuorientierung, die gerade im Bereich der Energieforschung auch gewollt ist.