Prozess in Kiel Falsche Lehrerin gesteht Betrug

"Es war eine Zeit, in der Vergangenheiten gelöscht wurden", sagte die Angeklagte vor Gericht.

(Foto: dpa)
  • Eine Frau arbeitet mehr als zwei Jahrzehnte als Lehrerin, wird sogar verbeamtet - alles dank gefälschter Zeugnisse.
  • Nun hat die 50-Jährige vor Gericht die Vorwürfe eingeräumt, ihr waren Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen worden.
  • Bei einer Verurteilung droht der Frau eine Haftstrafe. Mehrere Bundesländer fordern bereits Rückzahlungen unrechtmäßig erhaltener Bezüge in sechstelliger Höhe von ihr.

Hochstaplerin steht in Kiel vor Gericht

Als falsche Lehrerin hat eine Frau jahrelang Behörden, Kollegen, Eltern und Schüler genarrt. Am Mittwoch gestand die 50-Jährige vor dem Amtsgericht Kiel, Hochschulabschlüsse und Diplome gefälscht zu haben. Die Frau aus Wismar räumte ein, dass sie sich nach der Wende mit falschen Zeugnissen und Staatsexamina für das Lehramt beworben hatte. Die Anklage legt ihr gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung zur Last.

Sie habe mit der als Propagandafach geltenden DDR-Staatsbürgerkunde kaum Chancen auf Anstellung gehabt, sagte die Angeklagte. "Es war eine Zeit, in der Vergangenheiten gelöscht wurden. So war es auch bei mir." Unter Tränen zeigte sie sich reuig und bat um Entschuldigung. Sie habe schon seit ihrer Kindheit Lehrerin werden wollen, sagte sie. Ein Urteil in dem Fall steht noch aus. Bei einer Verurteilung droht der Frau eine Haftstrafe.

Trotz Ermittlungen gegen sie fand die Frau eine neue Stelle

Der neue Direktor am Möllner Gymnasium hatte 2010 die Schulaufsicht eingeschaltet. Er war wegen der mangelnden Leistungen der Frau misstrauisch geworden, die im Widerspruch zu ihren angeblich guten Abschlüssen standen. Die Kieler Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln. Eine Vertreterin des Ministeriums sagte als Zeugin vor Gericht, inzwischen bezweifle sie sogar die Echtheit des vorgelegten Abiturzeugnisses der gelernten Krankenschwester.

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Ende 2012 wurde die Angeklagte suspendiert, Anfang 2013 wurde die Ernennung zur Beamtin zurückgenommen. Doch trotz der öffentlich erhobenen Vorwürfe und Ermittlungen gelang es der Frau, in den Schuldienst nach Mecklenburg-Vorpommern zu wechseln. Dort soll sie 2013 an zwei Schulen bei Schwerin unterrichtet haben. Erst durch einen Hinweis der Ermittler an die Schulbehörden wurden auch dort Überprüfungen in Gang gesetzt. Sie soll daraufhin einen Auflösungsvertrag unterschrieben haben.

Aus DDR-Staatsbürgerkunde wird Sozialkunde

Ihr Lehrer-Diplom soll die 50-Jährige 1990 erworben haben - in den Fächern Deutsch und der als Propagandafach geltenden DDR-Staatsbürgerkunde. Um nach Wende und Wiedervereinigung als Lehrerin übernommen zu werden, machte sie daraus Sozialkunde. Zudem fälschte sie ihre Staatsexamina. Ihre Lehrerlaufbahn startete sie Anfang der 1990er Jahre in Wolgast - nachdem sie sich die fehlenden Zeugnisse in einer Druckerei hatte fertigen lassen. Von Wolgast aus wechselte sie nach Brandenburg und dann nach Berlin, wo sie auch verbeamtet wurde. Von 2008 bis Anfang 2013 erschlich sie sich ihre Verbeamtung in Schleswig-Holstein.

Die Angeklagte, die nach Angaben ihrer Verteidigerin über kein eigenes Einkommen verfügt, sieht sich hohen Rückzahlungsforderungen gegenüber. Das Land Schleswig-Holstein verlangt nach Angaben des Bildungsministeriums seit Ende 2013 die Rückzahlung der Beamtenbezüge. Die Besoldung seit dem 1. August 2008 sei ohne Rechtsgrundlage erfolgt. Bisher gebe es aber noch keinen Zahlungseingang, sagte eine Sprecherin. Schleswig-Holstein fordere 133 000 Euro von ihr zurück, sagte die Frau. Auch aus anderen Bundesländern gebe es Rückzahlungsforderungen.

Linktipp: Die Kollegen von Zeit Online haben den kompletten Werdegang der angeklagten Frau nachvollzogen.