Kabinett Trump Betsys Basar

Ministerin Betsy DeVos will das Schulsystem privatisieren.

(Foto: Chip Somodevilla/afp)

Privatisierung, so wenig staatliche Kontrolle wie möglich und religiöse Erziehung: Warum die Pläne der neuen US-Bildungsministerin Betsy DeVos, das Schulsystem umzubauen, bei Lehrerverbänden umstritten sind.

Von Beate Wild, New Orleans

Um Betsy DeVos zur neuen US-Bildungsministerin zu machen, musste Vizepräsident Mike Pence am Mittwoch etwas tun, das es in der Geschichte des Landes noch nie gegeben hat: Er durchbrach mit seiner Stimme einen Patt im Senat. Selbst zwei Republikanerinnen hatten der Kandidatin die Zustimmung verweigert.

Warum ruft DeVos so erbitterten Widerstand hervor? Dass die 59-jährige Milliardärin aus einer streng christlichen Familie in ihren Anhörungen vor dem Senat peinliche Wissenslücken offenbarte, ist noch das kleinste Problem. Für brandgefährlich halten Bildungsexperten und Lehrerverbände DeVos' Pläne, das amerikanische Schulsystem mit sogenannten Charter-Schulen und Gutscheinprogrammen zu privatisieren. Charter-Schulen existieren in den USA seit Anfang der Neunziger, sie sollten eine Alternative zu den maroden öffentlichen Schulen werden. Die privaten Betreiber - häufig Kirchen oder gemeinnützige Stiftungen - erhalten vom Staat ein Budget; die Lehrer, Methoden und Schwerpunkte wählen sie indes selbst aus. 6500 Charter-Schulen in 43 Staaten gibt es derzeit, ihre Zahl wächst immer schneller. Auch unter Demokraten finden sie Anhänger.

Zur Not lassen Schulbetreiber in Einkaufszentren unterrichten

Privatisierung, so wenig staatliche Kontrolle wie möglich und religiöse Erziehung - auf diesen drei Prinzipien will DeVos ihre Bildungsreform aufbauen. Das Konzept der Charter-Schulen verbindet sie mit einer marktradikalen Philosophie. DeVos will profitorientierte Betreiber fördern und ein Voucher-Programm etablieren. Der Staat verteilt Bildungsgutscheine, die Eltern für ihre Kinder an der Schule ihrer Wahl einlösen dürfen.

Kritiker erwarten davon nichts Gutes. Durch die neuen Bildungsausgaben würden die Budgets für öffentliche Schulen weiter sinken, sie drohen abgehängt zu werden. Schon heute arbeiten dort viele Lehrer mehr Stunden für weniger Lohn, Burn-out-Fälle sind häufig. Umstritten ist auch, ob die Kinder besser ausgebildet werden, wie Befürworter behaupten. Studien zeigen, dass viele Charter-Schulen unterdurchschnittliche Ergebnisse liefern. Für ihre Betreiber aber seien sie "Goldesel", warnt die US-Bildungsexpertin Mercedes Schneider. Schulgründer müssten keine Qualifikationen vorweisen, Investoren spekulierten auf hohe Renditen. Mancherorts gebe es schon Schul-Ketten, deren Betreiber bei Platznot Räume in Einkaufszentren anmieteten.