Islamistischer Einfluss an Schulen in Birmingham "Koordinierte Agenda will Kindern Islam aufzwingen"

Islamistisches Gedankengut breitet sich an staatlichen Schulen in Birmingham aus. Den Verdacht bestätigt der Bericht eines britischen Ermittlers. Am Anfang des Falls stand ein anonymer Brief über eine angebliche "Operation Trojanisches Pferd".

Von Christian Zaschke, London

Es begann mit einem anonymen Brief: In Birmingham, so hieß es im Dezember in einem Schreiben an den örtlichen Stadtrat, würden Schulen von Islamisten unterwandert. Es gebe eine "Operation Trojanisches Pferd", deren Ziel es sei, staatliche Schulen zu infiltrieren und nach "streng islamischen Regeln" zu führen.

Das klang gleichermaßen erschreckend wie unglaubwürdig, dass im Laufe der folgenden Monate zwei Untersuchungen angesetzt wurden: eine vom Stadtrat, eine externe. Einige Ergebnisse der externen Untersuchung sind am Freitag vorab vom Guardian veröffentlicht worden. Demzufolge gebe es in Birmingham in der Tat "koordinierte, absichtliche und nachhaltige Bemühungen, an manchen Schulen ein intolerantes und aggressives islamistisches Ethos einzuführen".

Der externe Report wurde von Peter Clarke verfasst, dem früheren Chef der Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard. Dass ein Mann wie Clarke mit der Untersuchung beauftragt wurde, macht deutlich, wie ernst der vormalige Bildungsminister Michael Gove die sogenannte Trojanisches-Pferd-Affäre nahm. Mittlerweile gilt als sicher, dass der Brief, der die Angelegenheit ins Rollen brachte, in seinen spezifischen Anschuldigungen nicht ganz ernst zu nehmen ist; möglicherweise handelt es sich gar um einen makabren Scherz.

Eine breit angelegte Unterwanderung gibt es offenbar nicht an Birminghams Schulen. Was es allerdings laut Peter Clarke gibt, "ist an manchen Schulen eine koordinierte Agenda, den Kindern eine abgrenzende Haltung und Praktiken einer kompromisslosen und politisierten Form des sunnitischen Islams aufzuzwingen".

Offiziell soll der Report, der dem Guardian zugespielt wurde, erst in der kommenden Woche vorgestellt werden, weshalb sich das Bildungsministerium am Freitag zunächst nicht äußern wollte. Erst Anfang der Woche hat Premierminister David Cameron im Zuge eines größeren Kabinettsumbaus Bildungsminister Michael Gove abberufen und zum Parlamentarischen Geschäftsführer der Tories gemacht. Seine Nachfolgerin Nicky Morgan hat nun gleich ein hochkomplexes und hochsensibles Thema zu bearbeiten.

An manchen Schulen werden Jungen und Mädchen getrennt

Bereits vor gut einem Monat hatte die Schulaufsichtsbehörde 21 Schulen in Birmingham inspiziert und gravierende Mängel festgestellt. Zum Beispiel wurden Mädchen und Jungen aus religiösen Gründen an säkularen Schulen getrennt unterrichtet, in denen es ausdrücklich gemischte Klassen geben sollte. Fünf dieser Schulen stehen nun unter dauernder Beobachtung. Der Chef-Inspekteur der Aufsichtsbehörde sagte, in diesen Schulen herrsche eine Kultur von "Angst und Einschüchterung".

In vielen staatlich finanzierten Schulen fungiert als oberste Instanz eine Art Beirat, in dem Eltern sowie Vertreter der Stadt und des öffentlichen Lebens sitzen. Dieser Beirat hat weitreichende Kompetenzen und kann zum Beispiel die Schulleitung entlassen. Die Beiräte der überprüften Schulen wiesen die Vorwürfe empört zurück. An zwei Schulen kam es aus Protest gegen die Beaufsichtigung zu Rücktritten. Der Bildungsminister wurde beschuldigt, eine "gezielte und bösartige Offensive" gegen die Schulen zu führen.

Birmingham ist die zweitgrößte Stadt des Vereinigten Königreichs. Von den gut eine Million Einwohnern gehört ein Drittel einer ethnischen Minderheit an. Die größte Gruppe sind Einwanderer aus Pakistan, die ein Zehntel der Stadtbevölkerung stellen. Es gibt Schulen in der Stadt, an denen etwa 90 Prozent von Schülern und Lehrern einen pakistanischen Hintergrund haben.

Der Report des Terrorexperten Clarke könnte zu Spannungen führen. Während die ethnischen Minderheiten sich angegriffen fühlen, fragen zugleich viele Briten, ob die Städte und Gemeinden entschieden genug gegen Islamismus vorgehen. Der Stadtverwaltung von Birmingham wirft Clarke vor, jahrelang Hinweise auf Extremismus ignoriert zu haben, um Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen zu vermeiden. Clarke schreibt: "Wenn einige Schulen nicht überprüft werden, zwingen sie Schulkindern eine intolerante, nach innen gerichtete Monokultur auf, die es den Kindern schwer macht, am Leben im modernen Großbritannien teilzuhaben."

Ex-Scotland-Yard-Mann Peter Clarke geht davon aus, dass es Bestrebungen gab, manche säkulare staatliche Schulen klammheimlich in streng konfessionell geprägte Schulen umzuwandeln. Es wird erwartet, dass das Bildungsministerium sich zum weiteren Vorgehen äußert, wenn der Report in der kommenden Woche offiziell vorgestellt wird.