Sie sind selten, aber noch nicht von der Bildfläche verschwunden: Internate mit Geschlechtertrennung. Oft sind sie aus historischen Gründen noch da - aber es gibt auch gute Gründe für diese Art der Ausbildung.
Stefanie Meisch berät Eltern und Kinder, die nach einem passenden Internat suchen. "Wenn ich dann ein reines Jungen- oder Mädchen-Internat vorschlage, verdrehen die Schüler meist die Augen", sagt die Mitarbeiterin der Euro-Internatsberatung in München. "Geschlechtertrennung wirkt auf sie weltfremd, arg sittenstreng und nicht zeitgemäß."
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Ungefähr fünf Prozent der 250 deutschen Internate sind reine Jungen- oder Mädchen-Heime, schätzt Meisch. Doch obwohl viele Wissenschaftler der Meinung sind, getrenntes Lernen bringe keine Vorteile, halten die meist kirchlichen Einrichtungen an der Geschlechtertrennung fest. Wer dahinter eine Verschwörung eiserner Verfechter der Monoedukation vermutet, irrt in den meisten Fällen.
"Dass wir ein reines Jungeninternat führen, hat historische Gründe", meint Frater Michael Schmalzl, der Leiter des Maristeninternats in Mindelheim. Und Ulrich Starrock vom Internat Heilig Kreuz in Donauwörth sagt: "Unser Jungen-Internat ist tief in der Region verwurzelt und hat einen guten Ruf. Für uns gibt es keinen Grund, etwas zu ändern." In beiden Orten ließen sich einst ein Schwestern- und ein Bruderorden nieder, die in den jeweils angeschlossenen Internaten ihren Nachwuchs heranzogen.
Dabei hätte Frater Michael Schmalzl gegen eine weibliche Note in seinem Internat nichts einzuwenden: "Der Ton und der Umgang können im reinen JungenInternat schon rau sein, die Anwesenheit von Mädchen würde das wohl auflockern." Als das Mindelheimer Maria-Ward-Internat für Mädchen im Begriff war, seine Pforten zu schließen, bot Schmalzl daher an, den heimatlosen Schülerinnen in sein Jungen-Internat aufzunehmen - auch wenn das zusätzliche Verantwortung bedeutet hätte.
"Ich müsste aufpassen, dass nichts anbrennt, wenn Mädchen und Jungen im gleichen Haus übernachten. Eltern müssen das auch, aber die haben eben nur zwei Kinder im Haus und ich hundert", sagt Schmalzl. Eine Schülerin beherbergte sein Internat vorübergehend, und dabei wurden dem Ordensbruder noch ganz andere Probleme bewusst. "Als ich die 18-Jährige herumführte und ihr die Fußballplätze, unsere Jugendfeuerwehr, die Modelleisenbahn und den Boxraum zeigte, fragte sie verschmitzt: Und wo sind die Ponys? Da merkte ich, dass wir eben doch ein Jungen-Internat sind."
Das benachbarte Mädchen-Internat wurde schließlich doch weitergeführt, und Schmalzl ist immer noch von jugendlichem Testosteron umgeben, obwohl er nach wie vor gerne eine zusätzliche Mädchengruppe hätte. "Dann müssten wir für die Freizeitgestaltung aber eine größere Differenzierung anbieten", sagt er.
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Man kann es so sehen oder auch anders...