Hoher Migrantenanteil in der Klasse Eltern scheitern mit Klage gegen schlechte Noten

Drei Schüler haben die Probezeit an einem Berliner Gymnasium nicht bestanden. Die Eltern klagten vor Gericht, Schuld an den schlechten Noten sei der hohe Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund gewesen. Diese Begründung überzeugte die Richter jedoch nicht.

Über das deutsche Bildungssystem lässt sich trefflich streiten - besonders großes Konfliktpotenzial bietet der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Bekommt ein Kind keine Gymnasial-Empfehlung, werden oft Lehrer als willkürlich und voreingenommen beschimpft, Eltern als überambitioniert und verbohrt.

Das Berliner Verwaltungsgericht hat nun einen besonderen Fall verhandelt. Die Eltern von drei Schülern klagten, weil ihre Kinder das im Berliner Schulsystem vorgeschriebene Probejahr auf dem Gymnasium nicht bestanden haben, berichtet der Berliner Tagesspiegel. Der Grund für die schlechten Leistungen sei der hohe Anteil von Schülern "nichtdeutscher Herkunftssprache" in der Klasse am Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Neukölln gewesen. Die Verwaltungsrichter entschieden jedoch, dass durch den hohen Anteil von Migrantenkindern keine diskriminierende Situation entstanden sei. Gegen die Urteile ist ein Berufungsverfahren möglich.

Der Fall hat ein interessantes Detail: Auch die drei betroffenen Schüler, zwei Jungen und ein Mädchen, haben einen Migrationshintergrund. Sie haben arabische beziehungsweise türkische Wurzeln.

Ziel der Klage sei die Anerkennung gewesen, dass die schlechten Leistungen der Schüler auf Diskriminierung, also eine Schlechterbehandlung, zurückzuführen sei, sagte der Anwalt der klagenden Familien dem Tagesspiegel.

In der Klasse der siebten Jahrgangsstufe, die die drei Kinder 2011 an dem Gymnasium besuchten, habe der Anteil der Schüle nichtdeutscher Herkunftssprache bei 63 Prozent gelegen. In einer Parallelklasse jedoch nur bei 14 Prozent. Den klagenden Eltern gehe es ums Prinzip, denn die Schüler selbst wollen gar nicht ans Gymnasium zurück, sie besuchen inzwischen eine integrierte Sekundarschule. Es gehe um das Selbstvertrauen der Schüler, so der Anwalt. "Außerdem ist es auch wichtig, um mögliche Nachteile im Lebenslauf auszugleichen", zitiert ihn der Tagesspiegel.

"Irrste Klage des Jahres"

Doch das Verfahren hat in Berlin eine bildungspolitische Diskussion ausgelöst. Für Heinz Buschkowksy (SPD), Bürgermeister des Bezirks Neukölln, ist der Fall die "irrste Klage des Jahres". Im Interview mit dem Nachrichtensender N24 sagte Buschkowksy, den Klassenkameraden die Schuld in die Schuhe zu schieben, sei ein bisschen "eigenwillig". Es gebe in Neukölln viele Migrantenkinder, die Abitur machen würden - auch mit Einser-Abschlüssen.

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, zeigt sich hingegen erfreut über die Klage. Die Praxis, dass an Schulen Klassen mit einem hohen Migrantenanteil gebildet würden, sei ein Skandal, die Schulen müssten für eine bessere Durchmischung sorgen, sagte er dem Sender RBB.

Hildegard Bentele, Bildungsexpertin bei der CDU-Fraktion, widerspricht im Tagesspiegel: "Jeder dieser Schüler hatte die Möglichkeit, die Schule frei zu wählen, wenn er eine Benachteiligung durch die Zusammensetzung der Klassen befürchtet." Die Debatte weise aber auf ein generelles Problem hin. Da die Gymnasien die Schüler nicht nach Leistung auswählen dürften, kämen zu viele für diese Schulform ungeeignete Schüler an die Schulen. Die CDU fordere daher, an der Grundschule Vergleichstests einzuführen und die Einschulung am Gymnasium bereits in der fünften Klasse wie auch in anderen Bundesländern.