Hochschulrektorenkonferenz in Nürnberg 3000 zusätzliche Professoren gefordert

"Die Änderung des Grundgesetzes ist sehr dringend": Das Kooperationsverbot untersagt dem Bund eine dauerhafte Finanzierung der Hochschulen. Das muss sich ändern, lautet eine Forderung auf der Hochschulrektorenkonferenz.

Von Roland Preuß

Der Bund soll sich endlich mehr an den Hochschulen engagieren und Tausende neuer Professorenstellen einrichten. Diese Forderungen erhoben am Dienstag zahlreiche Spitzen deutscher Universitäten und Fachhochschulen in Nürnberg. Dort hatte sich die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) versammelt, die Vertretung von fast 270 Hochschulen. Entsprechende Beschlussvorlagen der HRK-Führung erhielten nach Angaben von Teilnehmern breite Unterstützung. Eines der zentralen Papiere sieht vor, dass der Bund binnen zehn Jahren 3000 sogenannte Bundesprofessuren einrichtet. Zudem verlangen die Hochschulen eine Reform der Verfassung, die solche Bundesprofessuren erst ermöglichen würde.

"Die Änderung des Grundgesetzes ist sehr dringend", sagte HRK-Präsident Horst Hippler. Die Papiere sollen im Herbst endgültig beschlossen werden. Das sogenannte Kooperationsverbot untersagt dem Bund bisher eine dauerhafte Finanzierung der Hochschulen. In den kommenden zehn Jahren sollen nach dem Willen der HRK-Führung 2000 Bundesprofessuren an den Universitäten und 1000 an den übrigen Hochschulen entstehen, zusätzlich zum bestehenden Personal. Bisher sind Professorenstellen in der Regel Ländersache.

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Die Länder müssen allerdings von 2019 an die Schuldenbremse einhalten, dürfen unter dem Strich keine neuen Schulden mehr aufnehmen und haben die Wissenschaft als Sparopfer ausgemacht. Vor allem in finanzschwachen Ländern wie Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern regt sich bereits Protest der Hochschulen gegen Sparvorgaben. "Was in Sachsen-Anhalt passiert ist unverantwortlich", sagte Hippler. Dort sollen die Hochschulen bis 2025 mit 50 Millionen Euro weniger pro Jahr auskommen. Die Länder könnten die Kosten für gute Bildung nicht mehr alleine stemmen, sagte Hippler.

Zusätzlich zu Sparvorgaben strömen an die Hochschulen mehr Studenten denn je. Bis 2020 werde die Zahl der Studenten über die ohnehin schon vorhergesagte Erhöhung hinaus ansteigen "und auch danach auf einem hohen Niveau verbleiben", heißt es in dem HRK-Papier. Sollte das Kooperationsverbot fallen, könnte der Bund Hochschulen, herausragende Institute oder Professoren dauerhaft fördern. Eine entsprechende Änderung des Grundgesetzes hatte die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vorangetrieben. Dagegen sperrt sich bisher jedoch eine rot-grüne Mehrheit im Bundesrat. Sie will zugleich eine Öffnung für den Bund auch in der Schulpolitik durchsetzen.

Bei der Forderung nach mehr Geld sind sich die Hochschulen noch weitgehend einig, nicht jedoch bei dessen Verteilung. Auch dies wurde in Nürnberg deutlich - und zwar anhand einer Personalentscheidung. Die Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking, kandidierte für das Amt der HRK-Vizepräsidenten und fiel durch. Dahinter steht der Streit, inwieweit es zu einer Rangordnung und Gruppenbildung unter den Hochschulen kommen soll. Führende Universitäten haben sich bereits zu Gruppen zusammengeschlossen, die Technischen zur TU9, vergangenes Jahr organisierten sich weitere als U15, die sich als besonders "forschungsstark" verstehen.

Mögliche Dominanz ruft Unmut hervor

Schückings Universität ist Mitglied der U15, die beiden Gruppen hätten mit ihrer Wahl eine Mehrheit unter den Vizepräsidenten gewonnen. Diese Dominanz ruft insbesondere bei den übrigen Universitäten Unmut hervor, aber auch bei Fachhochschulen. Sie sehen eine Machtverschiebung hin zu den starken, großen Universitäten, die ohnehin bereits sehr von Förderprogrammen wie der Exzellenzinitiative profitieren.

"Die Grüppchenbildung ist schädlich, weil es die Vertretung der Hochschulen als ganzes in der HRK schwächt", sagte der Rektor der Hochschule Hartz, Armin Willingmann. Der Rektor der Uni Duisburg, Ulrich Radtke kritisierte in einem Brief an alle HRK-Mitglieder die Gruppen als "reine Kartelle", die sich "nicht scheuten", offen eine Besserstellung zu verlangen. Andere Teilnehmer sprachen von einem "Misstrauensvotum" gegen Hippler und warfen ihm vor, unsensibel vorgegangen zu sein. Hippler gilt als Vertreter einer Hierarchie unter den Hochschulen. Er war Präsident der früheren Elite-Uni in Karlsruhe. Er hatte Schücking vorgeschlagen und für sie geworben. Der Posten des HRK-Vizepräsidenten bleibt wegen des Streits vorerst unbesetzt.