Hochschulen Kleine Unis für Forscher immer attraktiver

Neu auf Platz Fünf im Ranking der beliebtesten Forschungsaufenthalte ausländischer Wissenschaftler: die Universität Göttingen.

(Foto: dpa)

Wissenschaftler aus dem Ausland zieht es oft an die Elite-Unis nach Berlin und München - aber auch in mittlere Städte, wenn es dort sehr gute Bedingungen gibt. Ein neues Ranking zeigt, wie Forschung künftig sinnvoll gefördert werden könnte.

Von Johann Osel

Mit diesem Siegertreppchen konnte man rechnen, Platz eins bis drei gehen nach Berlin und München. Die Standorte - konkret die Freie Universität und die Humboldt-Universität in der Hauptstadt sowie die Ludwig-Maximilians-Universität in München - sind für Gastforscher aus dem Ausland am attraktivsten. Das zeigt ein am Montag erschienenes Ranking der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH). Jedoch gibt es unter den besten zehn Unis auch Überraschungen: zum Beispiel Bonn, Göttingen, Bayreuth, Freiburg oder Bielefeld. Ihr Abstand zum Drittplatzierten ist sogar noch überschaubar. Die Liste bietet daher womöglich Anhaltspunkte für eine Neuordnung der Forschungsförderung.

Ausgewertet wurde die Zahl der Gastaufenthalte von internationalen Spitzenwissenschaftlern und Nachwuchstalenten, die in den vergangenen fünf Jahren als Stipendiaten oder Preisträger der Stiftung ins Land kamen. Seit Jahren versucht die Politik, die Abwanderung herausragender Forscher zu stoppen beziehungsweise umzukehren. Die Humboldt-Stiftung, die fast vollständig vom Bund finanziert wird, soll dazu beitragen; sie bietet jedes Jahr gut 2000 Forschern Gastaufenthalte an und pflegt ein weltweites Netzwerk mit früheren Teilnehmern.

Um im Ranking Verzerrungen durch unterschiedliche Größen von Unis zu vermeiden, wurden die Humboldt-Gäste ins Verhältnis zur Zahl der Professoren an jedem Standort gesetzt. Trotz dieser Gewichtung liegen mit Berlin und München die Städte vorne, die auch nach den absoluten Aufenthaltszahlen an der Spitze stehen. Ferner sind die HU, FU und LMU "Elite-Universitäten" im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Sie erhalten bis zu 20 Millionen Euro im Jahr, um ein attraktives Gesamtkonzept aufzubauen.

Unter den besten zehn Hochschulen sind nur fünf "Elite-Unis"

Verglichen mit dem Ranking von 2012 holen aber Unis kleinerer Städte auf. Göttingen kletterte von Rang neun auf Platz fünf, Regensburg von 18 auf 16, Münster von 22 auf 15. "Ausländische Forscher suchen die Standorte für ihre Gastaufenthalte offenkundig nicht nur danach aus, ob sie in einer der Metropolen Deutschlands liegen", sagt Stiftungspräsident Helmut Schwarz. Das beweise, "wie groß das Vertrauen in die Qualität der hiesigen Wissenschaft" insgesamt sei, so Schwarz.

Auffällig ist: Unter den zehn Besten finden sich nur fünf "Elite-Unis" - neben dem Spitzentrio sind das die TU München (Rang sechs) und die Uni Heidelberg (Rang sieben). Drei "Elite-Unis" - Bremen, Dresden, Tübingen - haben es gar nicht unter die Top 20 geschafft, Köln und Konstanz belegen nur die Plätze 18 und 19. Im Gegenzug konnten andere Unis ihre Anziehungskraft für ausländische Spitzenforscher offenbar in speziellen Bereichen steigern.

So finden sich in den Rankings nach Fächern - hier berechnet nach den absoluten Zahlen an Gastforschern - neue Akteure, die im Gesamtranking der Top 20 überhaupt nicht auftauchen: Bei den Naturwissenschaften steht zum Beispiel Bonn auf Platz eins, bei den Ingenieurfächern ist es die Technische Universität Darmstadt. Bonn und Darmstadt sind zwar nicht im Kreis der elf "Elite-Unis", konnten aber in dem Wettbewerb Teil-Förderungen ergattern. In Bonn gibt es ein "Exzellenzcluster" zur Erforschung des menschlichen Immunsystems, in Darmstadt eine Doktorandenschule für Energietechnik.

Bei den Elite-Titeln sei eine "Denkpause" nötig

Auch wenn die Attraktivität für ausländische Forscher nur ein Faktor für Qualität ist - das Ranking deutet an, wie die Wissenschaftsförderung künftig aussehen könnte. 2017 läuft die Exzellenzinitiative aus, ein Nachfolgemodell ist noch zu finden. Die Regierungsberater vom renommierten Wissenschaftsrat, der den Wettbewerb mitorganisiert, empfehlen in einem Gutachten, dass alle Hochschulen Profile entwickeln.

"Keine Universität ist überall top. Das ist eine Illusion", sagte kürzlich der Vorsitzende des Rates, der Münchner Bildungsforscher Manfred Prenzel, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Er regte an, die Förderung für exzellente Fachbereiche und die Doktorandenschulen beizubehalten - bei den Elite-Titeln sei dagegen eine "Denkpause" nötig. Das Ranking der Stiftung legt tatsächlich nahe, dass ein Elite-Konzept helfen kann, deutsche Unis weltweit attraktiv zu machen; dass aber die gezielte Förderung sehr guter Bereiche oft ebenso sinnvoll ist.