Schule Bringt den Kindern Wirtschaft bei!

Schüler brauchen bessere ökonomische Bildung, findet Andreas Dombret.

(Foto: Karmann/dpa)

Die ökonomische Bildung kommt an deutschen Schulen zu kurz, das muss sich endlich ändern. Dafür brauchen auch die Lehrkräfte eine gute Ausbildung.

Gastbeitrag von Andreas Dombret

"Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen." Mit diesem Tweet hat eine 17-jährige Schülerin vor drei Jahren eine Debatte darüber losgetreten, welchen Stellenwert ökonomische Bildung in Schulen einnimmt. Man kann sagen: mal wieder. Denn wie so häufig zuvor folgte der daraufhin einsetzenden Diskussion: nichts. Man kann im Einzelfall darüber streiten, ob nun der Staatshaushalt oder die Dreigroschenoper im Lehrplan höher anzusiedeln sind. Zahlreiche Studien und Umfragen stellen der deutschen Bevölkerung jedenfalls schlechte Schulnoten bei Wirtschaftsthemen aus.

Über den Autor

Andreas Dombret ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. Er ist zuständig für die Bereiche Banken und Finanzaufsicht, Ökonomische Bildung sowie Hochschule und Technische Zentralbank-Kooperation.

In einer Befragung aus dem Jahr 2010 wusste zum Beispiel die Hälfte der Zehntklässler nicht, was ein Girokonto ist. In einer aktuellen Untersuchung der Marktforschungsgesellschaft GfK kannten mehr als 90 Prozent der Befragten den Fußballer Mario Götze, aber nur die Hälfte den EZB-Chef Mario Draghi.

Ein wesentlicher Grund: Das Angebot der deutschen Schulen an ökonomischer Bildung ist begrenzt. Wirtschafts- und Finanzthemen werden nur in einem Bundesland in einem eigenen Schulfach unterrichtet. In den meisten Bundesländern werden die Inhalte in Geografie, in Geschichte oder in Mischfächern wie Wirtschaft-Politik behandelt. Eine feste Stundenzahl hierfür gibt es aber vielfach nicht. Auch sind die Schulen nicht dazu verpflichtet, Wirtschaftskurse für die Oberstufe anzubieten. Da Bildung bekanntlich Ländersache ist, sind die Lehrpläne der Bundesländer entsprechend vielfältig.

"Den Schülern das vorzuenthalten, ist gefährlich"

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Kritiker des Wirtschaftsunterrichts in Schulen argumentieren, dass der Schulunterricht nicht für alles in die Verantwortung zu nehmen sei. Andere hegen eine grundsätzliche Abneigung gegenüber einem eigenen Schulfach für ökonomische Themen. Wirtschaft solle im Kontext von Politik und Gesellschaft erklärt und verstanden werden. Pragmatische Ansätze kommen von außerhalb der Schulen. Initiativen zur ökonomischen Bildung gibt es bei Banken und Sparkassen bis hin zur Medienbranche. Sie stellen Unterrichtsmaterialien bereit oder veranstalten Schülerwettbewerbe. Auch die Bundesbank hat sich ökonomische Bildung zur Aufgabe gemacht. Unser Fokus liegt auf den Themen Geld und Geldpolitik. Dazu bieten wir Bildungsmaterialien zur Unterrichtsvorbereitung an und sind selbst in den Schulen vor Ort: Allein im vergangenen Jahr haben wir 1600 Veranstaltungen zur ökonomischen Bildung an Schulen und in unseren Hauptverwaltungen durchgeführt.

Doch der Erfolg solcher Initiativen hängt entscheidend davon ab, ob sie von Schulen tatsächlich nachgefragt werden. Das Schulsystem ist und bleibt die zentrale Stelle für die Bildungsarbeit. Es muss deshalb eine Debatte um eine bessere ökonomische Bildung in der Schule geführt werden - ein Aussitzen wäre gefährlich. Denn schon bei Alltagsfragen geht es mitunter um Existenzielles.