Folgen der Bologna-Reform Mit leichten Blessuren

Ohnehin war Hippler nur knapp ins Amt gelangt. Nicht die Mehrheit der Hochschulen hatte er hinter sich, dafür die meisten Stimmen, da bei HRK-Wahlen eine Gewichtung nach Größe stattfindet. Viele Rektoren hofften zudem, dass man mit ihm einen lautstarken Fürsprecher gegenüber der Politik bekomme. Schließlich sieht sich die HRK als "Stimme der Hochschulen", die deren Positionen - meistens geht es ums Geld - öffentlich vertreten soll. Dass der starke Mann die bisherige Linie bei der Bologna-Reform über den Haufen werfen sollte, ahnte niemand. Ein Rektor meint: "Als Zugpferd für politische Anliegen wäre Hippler im Grunde schon der richtige Mann - aber alles, was er vorne aufbaut, reißt er mit dem Hintern wieder ein."

Zum Indikator, ob sich der Präsident mit seinem Bologna-Vorstoß selbst ins Aus geschossen hat, wurde in Göttingen die Wahl dreier Vize-Präsidenten gesehen. Hippler, dem das Vorschlagsrecht für sein Team oblag, hat sie mit leichten Blessuren überstanden. "Die schlechte Stimmung war mit Händen greifbar", sagt ein Teilnehmer.

Der erste Anwärter Arnold van Zyl, seit kurzem Chef der TU Chemnitz, zog nach Teilnehmerangaben seine Kandidatur kurzfristig zurück. Er wähnte offenbar eine Schlappe - da er als früherer Vize-Rektor einer südafrikanischen Hochschule wenig im deutschen System vernetzt ist. Hipplers zweite Kandidatin, die Göttinger Präsidentin Ulrike Beisiegel, wurde nur mit dünner Mehrheit gewählt. Mancher Rektor wollte so Hippler beschädigen, die Gründe liegen aber wohl tiefer.

Göttingen hat mit anderen starken Unis kürzlich den Verbund "U15" gegründet. Diese Hochschulen, darunter die FU und die HU Berlin, die Münchner LMU sowie unter anderem die Unis Hamburg und Heidelberg, beanspruchen eine "Führungsrolle". Viele Uni-Chefs außerhalb dieses Clubs befürchten, dass der neue Bund in der HRK künftig den Ton angebe. "Hippler lässt das laufen, eigentlich müsste er den Laden zusammenhalten. Das wäre seine Aufgabe", kritisiert ein Hochschulchef. Die Bachelor-Debatte habe gezeigt, dass der HRK-Chef zu Harmonie und Moderation nicht fähig sei.

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Der dritte Kandidat, der Siegener Rektor Holger Burckhart, wurde mehrheitlich gewählt. Der Philosoph gilt als "Friedensangebot" Hipplers, er steht für die vielen Mittelmaß-Universitäten ohne allzu üppige Forschungserfolge. Er wird die Bologna-Arbeitsgruppe leiten. Damit sei das Thema erst mal "abgefrühstückt", glaubt ein Rektor. Zudem habe Hippler intern angekündigt, bis zum Ergebnis der Gruppe nicht mehr gegen Bologna zu poltern.