Finanzielle Förderung für Arbeitnehmer Welche Stipendien gibt es für Berufstätige?

Ob Auslandsaufenthalt oder Abi und Studium - verpasste Chancen lassen sich auch noch nachholen, wenn man längst im Beruf steht. Spezielle Stipendien für Arbeitnehmer helfen dabei.

Von Sabrina Ebitsch

Es ist nie zu spät: Wer gerne nochmal ins Ausland oder ein Studium beginnen möchte, obwohl er längst im Job angekommen ist, erhält auch dann noch die Möglichkeit auf eine finanzielle Förderung seiner Träume. Neben den Weiterbildungs- und Aufstiegsstipendien gibt es noch einige weitere Angebote für Arbeitnehmer. Ein Überblick:

Abitur nachholen

Der sogenannte Zweite Bildungsweg ist ein bisschen steiniger als der erste: Wer als Berufstätiger sein Abi nachholen und studieren möchte, findet bei der Hans Böckler Stiftung Unterstützung. Die Stiftung zahlt Büchergeld, stockt das Schüler-Bafög auf oder springt ein, wenn Bewerber aus Altersgründen kein Bafög mehr bekommen.

Bewerber müssen Gewerkschaftsmitglieder sein oder von einem Vertrauensdozenten oder der örtlichen Stipendiatengruppe vorgeschlagen werden; gute Noten und gesellschaftliches Engagement sind Voraussetzung. Neben monatlichen Überweisungen, deren Höhe vom Einkommen des Stipendiaten abhängig ist, bietet die Stiftung Seminare, Sprachkurse oder Exkursionen an. Wer den Schulabschluss geschafft hat, kann mit einem Böckler-Stipendium auch sein Studium finanzieren.

Stipendien für berufliche Auslandsaufenthalte

Der Schüleraustausch ist an akutem Heimweh gescheitert? Im Studium war keine Zeit und Gelegenheit für ein Auslandssemester? Auch wer schon im Beruf steht, hat noch Chancen, seinen fachlichen Horizont in anderen Ländern zu erweitern - sei es mit Praktika oder mit Arbeitsaufenthalten.

Das Baden-Württemberg-Stipendium beispielsweise unterstützt neben Schülern und Studenten auch Berufstätige bei Betriebspraktika oder schulischen Weiterbildungen mit 1000 Euro pro Monat. Interessierte bewerben sich mit Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeugnissen beim Baden-Württembergischen Handwerkstag.

Auch das Leonardo Da Vinci-Programm der EU will den internationalen Austausch in der beruflichen Aus- und Weiterbildung stärken - es ist, wie Erasmus ein Bausteins des übergeordneten Programms Lebenslanges Lernen, das Auslandsaufenthalte in allen Bildungsphasen unterstützt. Mit Leonardo werden Praktika, Ausbildungsabschnitte oder Weiterbildungsmaßnahmen in anderen europäischen Ländern gefördert, indem Kosten für Vorbereitung wie Sprachkurse, Reise und Unterbringung vor Ort bezuschusst werden. Allerdings kann sich bei Leonardo nicht der einzelne Azubi oder Berufstätige selbst bewerben, die Förderung können lediglich Betriebe oder Organisationen beim Bundesinstitut für Berufsbildung beantragen, die dann wiederum ausgewählte Angestellte teilnehmen lassen.

Über Leonardo hinaus unterstützen Firmen mitunter eigenständig ihre Mitarbeiter beim Auslandsaufenthalt; außerdem vergeben teils auch Stiftungen oder Berufsorganisationen Stipendien an Berufstätige. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks beispielsweise schickt Denkmalpfleger zur Weiterbildung nach Italien. Auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit hat verschiedene Angebote wie zum Beispiel das Asa-Programm, das Teilstipendien in Asien, Afrika, Lateinamerika und Südosteuropa vor allem im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit vergibt. Über weitere Programme, die allerdings nicht alle finanziell unterstützt werden, informiert die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.