Experte über Lammerts Doktorarbeit "Dies hier ist kein offenkundiges Textplagiat"

Plagiatsvorwürfe gegen Norbert Lammert

(Foto: dpa)

Schlampig ja, aber auch geklaut? Nach Guttenberg und Schavan sieht sich in Norbert Lammert nun ein weiterer Spitzenpolitiker Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Experten haben Zweifel an der Einschätzung, aber noch ist die Doktorarbeit auch erst zu einem Drittel überprüft.

Von Roland Preuß

Nun also Norbert Lammert. Nach Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und Annette Schavan sieht sich ein weiterer Spitzenpolitiker Plagiatsvorwürfen ausgesetzt, die ihm das Amt kosten könnten. Der anonyme Blogger "Robert Schmidt" spricht von "Plagiaten" und weiteren Fehlern in der Doktorarbeit des CDU-Politikers von 1976.

Ausgerechnet Lammert, der sich als streitbarer Bundestagspräsident mit Rückgrat einen Namen gemacht hat - und darüber hinaus Honorarprofessor an der Universität Bochum ist. Diese hat bereits begonnen, die Vorwürfe zu prüfen.

Schmidt hatte vergangenes Jahr auch die Fehler in Schavans Doktorarbeit publik gemacht und so die Affäre losgetreten, die zum Rücktritt der Bundesbildungsministerin führte. Lammert wirft er vor allem vor, sich ohne eigene wissenschaftliche Leistung in der Sekundärliteratur bedient zu haben. Dabei habe er Fehler übernommen und Literatur benannt, die gar nicht existiere. Der Online-Dokumentation zufolge hat Lammert Textpassagen und Fußnoten übernommen, allerdings sind diese weitgehend umformuliert, häufig auch umstrukturiert.

Die Übernahme von Fußnoten ist allerdings auch nach Einschätzung von strengen Plagiatsexperten wie dem Münchener Juraprofessor Volker Rieble unproblematisch, solange nicht der Eindruck erweckt wird, man habe die Originalquellen zitiert. "Dies hier ist kein offenkundiges Textplagiat", sagte Rieble zu SZ.de. Dazu hat Lammert die Passagen zu sehr selbst überarbeitet.

Dass Schmidt Fehler in den übernommenen Fußnoten gefunden hat, spricht zunächst einmal für schlampiges Arbeiten, für ein Plagiat sind sie allerdings nur ein Indiz. Großzügiges Copy & Paste wie bei Guttenberg findet sich bei Lammert nicht, auch die Dimension der Übernahmen von Annette Schavan ist nicht erreicht. Womöglich noch nicht. Denn Schmidt hat lediglich ein Drittel von Lammerts Doktorarbeit überprüft, die Untersuchung wird nun weitergehen - an der Universität, aber auch im Internet.