Studium Bologna hat das Studieren stark verändert

48 Länder sind mittlerweile Teil des europäischen Hochschulraums.

(Foto: dpa-tmn)

20 Jahre nach Beginn der Umstellung auf Bachelor/Master überlegen Europas Hochschulminister, wie es nun weitergeht. Selbst Bologna-Verfechter sehen Verbesserungspotenzial.

Von Susanne Klein

Quo vadis, Bologna? Um diese Frage zu diskutieren, trafen sich in der vergangenen Woche die Wissenschaftsminister aus 48 Ländern. Nicht in Bologna, wo 1999 beschlossen wurde, Europas Hochschulsysteme so vergleichbar und kompatibel zu machen, dass Studierende und Lehrende grenzenlos mobil sein können. Sondern in Paris, wo es im Jahr zuvor zum politischen Anstoß dafür gekommen war.

Damals hatten die Bildungsminister Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Großbritanniens einen Traum: Sie wollten die europäische Idee in die Welt der Universitäten hineintragen, die Idee des Miteinanders, des Austauschs, der gemeinsamen Identität. Ein europäischer Hochschulraum sollte entstehen, mit einer akademischen Gemeinschaftswährung. Aus dem Traum wurde eine Erklärung, unterschrieben in der Sorbonne - und aus der Erklärung die berühmt-berüchtigte Reform, die den Namen Bologna tragen sollte.

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20 Jahre später ist klar: Die Bologna-Reform hat mehr verändert, als sich damals die meisten vorstellen konnten. "Das ist ein völlig anderes Studieren heute, als ich es erlebt habe. Deutlich vielfältiger und internationaler", sagt auch Konrad Wolf (SPD), der letzte Woche auf der Pariser Konferenz die deutschen Bundesländer vertreten hat. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister kennt das Vorher so gut wie das Nachher. Er studierte in den Achtzigern und promovierte in den Neunzigern, als man an Unis noch Diplom- und Magisterarbeiten schrieb. Den Bologna-Prozess, der in den europäischen Hochschulraum als Gemeinschaftswährung die Credit Points und die Graduierungsstufen Bachelor und Master einführte, hat er dann als Professor begleitet, anschließend als Präsident der Hochschule Kaiserslautern.

Mittlerweile ist die neue Studienstruktur in Deutschland weitgehend umgesetzt. Mehr als 90 Prozent aller Studiengänge führen zum Bachelor oder Master, der Rest zumeist zum Staatsexamen. Andere Abschlüsse spielen kaum noch eine Rolle. Dank Bologna können Studierende, vor allem wegen der großen Auswahl an aufbauenden Master-Studiengängen, ihre Studienbiografie heute weitaus besser definieren als früher, findet Wolf. Und durch die Internationalisierung mit immer mehr Studienangeboten auf Englisch und immer mehr Studierenden aus dem Ausland "kommt in der Wissenschaft viel stärker als früher die Welt zu uns".

20 Prozent aller Studenten sollen bei einem Studienaufenthalt im Ausland Erfahrungen sammeln, lautet ein Bologna-Ziel für 2020. Bis dahin läuft das Studentenaustauschprogramm Erasmus+ der EU. Deutsche Studenten übertreffen diese Quote schon heute, sind jedoch von dem 50-Prozent-Ziel, das Bund, Länder und Deutscher Akademischer Austauschdienst sich selbst gesteckt haben, noch weit entfernt.