Esoterik in der Schule Aroma-Dusche im Klassenzimmer

Duftöl, esoterische Entspannungsmethoden und Brain-Gym: Lehrer setzen immer häufiger zweifelhafte Methoden in den Klassenzimmern ein. Nicht alle Eltern sind davon begeistert.

Von Anne Höhl

30 Euro pro Abend nimmt der aufgestiegene Meister El Morya für die Lehrerfortbildung. Der indische Prinz, der zuvor schon als König Melchior und König Artus inkarniert war, spricht durch die ehemalige Gymnasiallehrerin Christine Warcup zu den gestressten Pädagogen. "Wie oft vernehmen wir noch die Stimme unseres Herzens, die nicht wertet, nicht antreibt?" Manchmal singt das Lichtwesen auch. Sogar eine CD hat El Morya alias Christine Warcup schon aufgenommen. Der Titel: "Ja, ich sage Ja zu mir."

Die nervigsten Lehrer-Typen

mehr...

Und genau das will Warcup, die früher im Übrigen Biologielehrerin war, erreichen: dass Lehrer sich selbst wieder als Menschen wahrnehmen. Sie sagt, sie habe es gestört, dass es in Lehrerfortbildungen immer nur um Optimierung und bessere Leistungen ging. Deshalb wurde ihr von El Morya ein "Wohlfühl"-Kurs für Lehrer diktiert, in dem sie ein bisschen Theorie, Entspannungs- und Atemübungen, die man auch in der Klasse anwenden kann, unterrichtet.

Daran, dass sich Lehrer wohlfühlen, ist nichts auszusetzen. Dass sie von Lichtwesen eingeflüsterte Entspannungsarten missionierend an andere Lehrer und ihre Schüler weitertragen, schon. "Die Anwendung von esoterischen, spirituellen Methoden in Schulen und in der universitären Lehre nimmt eindeutig zu", sagt Ulrich Berger, Professor für VWL und Vorsitzender der Gesellschaft des kritischen Denkens.

Um Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite, Gewaltbereitschaft oder einfach nur Bewegungsmangel zu bekämpfen, testen Lehrer neue Methoden - immer häufiger sind darunter welche ohne jeden wissenschaftlich belegten Nutzen. Zwar sind die wenigsten Lehrer Erzengel-Gläubige und Energiefelder-Quacksalber, doch der Markt an erzieherischen Hilfsangeboten ist so groß und undurchschaubar, dass sich - vor allem an Privatschulen - zweifelhafte Methoden eingeschlichen haben.

Fünf Lehrerratgeber hat das Lichtwesen El Morya durch die Feder von Christine Warcup schon geschrieben. Sie sollen Pädagogen helfen, neue innere Ruhe zu erlangen und eine Atmosphäre der Gewaltfreiheit im Klassenzimmer zu schaffen. Manche Lehrer scheinen sich nicht mehr auf ihr Einfühlungsvermögen und die erlernten Erziehungsmethoden verlassen zu wollen, jetzt muss spiritueller Beistand von ganz oben her.

"Es sind nach meiner Erfahrung weniger die Normallehrer, sondern vor allem die besonders engagierten Kolleginnen", sagt Wolfgang Hund, Beauftragter des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes für Sekten, Psychokulte und Okkultismus, "die nach den goldenen Strohhalmen der esoterischen Sirenen greifen." Sie leiden häufig unter der schwierigen pädagogischen Situation in den Schulen. "Herkömmliche Maßnahmen scheinen da nicht mehr zu genügen, und dann wird man anfällig für vollmundige Versprechungen", sagt Hund.